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Verkehrsminister Dellmann
Fahrrad-Heckgepäckträger

Dellmann will Radwege abseits der Bundesstraßen

Berlin, 11. August 2009

Vielleicht ist Reinhold Dellmann der einzige Verkehrsminister, der mit einem Fahrrad-Heckgepäckträger am Dienst-BMW durchs Land fährt. Dazu passt sein Bergamont-Bike - "für Menschen, die mehr erwarten", wie dessen Hersteller verspricht. Jetzt will Dellmann weg von Radwegen direkt an Bundesstraßen.

Mit einer Sommer-Fahrradtour rund um Werder (Havel) begann der gestrige Arbeitstag von Brandenburgs Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD). Nichts Ungewöhnliches für den Mann, der auch gerne privat mit dem Fahrrad fährt - zum Beispiel zur Ostsee.

Ungewöhnlich ist jedoch sein Pragmatismus: "Den Heckgepäckträger habe ich selbst gekauft", sagt Dellmann. Darauf erahnen auch Nichteingeweihte ein - im Gegensatz zu vielen minderwertigen Leihfahrrädern - richtiges Alltagsrad. Sein eigenes.

Sommer-Radtour auf dem Havel-Radweg - und warum straßenbegleitende Radwege für Touristen uninteressant sind

Wie einfach das Leben sein kann, wenn Entscheidungsträger wissen worüber entschieden werden muss, machte Dellmann bereits vor einigen Wochen klar: Er halte nicht viel von straßenbegleitenden Radwegen, weil die Touristen lieber übers Land radeln als Abgase einzuatmen, hieß es in der Märkischen Oderzeitung. Radwege entlang von Bundesstraßen seien für Radtouristen uninteressant.

Beispiel B158 - Radweg besser auf der alten Bahntrasse nach Wriezen

Am Beispiel der Bundesstraße B158 kann sich Dellmann zum Beispiel vorstellen - statt eines straßenbegleitenden Radweges - die abseits der stark befahrenen Straße vor Jahren stillgelegte Bahntrasse Tiefensee-Wriezen als Radweg auszubauen. Spektakulär schön übrigens über die Schluchten des Gamengrundes.

Stadt Werder mit unschöner Lücke im Havel-Radweg

Gestern ging es unter anderem um den Havel-Radweg. Genauer um seine unschöne Lücke zwischen dem Bahnhof Werder und dem Beginn des bestens ausgebauten Radweges auf dem Haveldeich bei Phöben. Die Stadt Werder hat es in zehn Jahren irgendwie nicht geschafft, auf einem 6,5 Kilometer langen Abschnitt eine fahrradfreundliche Alternative zum Autobahnzubringer auf der Phöbener Chaussee und der Chausseestraße zu planen. Jetzt lud Dellmann eine Gruppe aufgeregter Vorschulkinder zum ersten Spatenstich im Frühjahr 2010 ein - sie warteten gestern mit ihren Rädern am Ende des bereits fertiggestellten Havel-Radweges am Dorfrand.

Außerhalb der Städte: Bestens ausgebauter Havel-Radweg im Landkreis Potsdam-Mittelmark

Denn der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat den in seiner Zuständigkeit liegenden fast 30 Kilometer langen Abschnitt des Havel-Radweges bereits bestens ausgebaut und vor einem Jahr eröffnet. Gleich hinter der Stadtgrenze von Werder geht es auf dem Haveldeich bis Gollwitz zur Stadtgrenze Brandenburg (Havel) - für nur 4,5 Millionen Euro. Bevor es in der Stadt Brandenburg wiederum Probleme beim Ausbau gibt ...

Vergleich: 12 Millionen für einen kurzen Autotunnel - 4,5 Millionen für 30 Kilometer Radweg

Zum Vergleich: Ebenfalls gestern wurden die Planungen für einen vielleicht 300 Meter kurzen Straßentunnel der Phöbener Straße unter den Bahngleisen westlich vom Bahnhof Werder vorgestellt - zum Preis von 12 Millionen Euro. Stimmt hier eigentlich das Verhältnis von Investitionen für den Kfz-Verkehr im Vergleich zum Fahrradverkehr? Dellmann hat auf seinen Fahrten durchs Land an anderer Stelle anderes vernommen: "Die Brandenburger wollen inzwischen eher Radwege als Umgehungsstraßen."

Kein Vorzeigeprojekt: Radweg-Verbindung Fläming Skate-Berlin

Doch wie ist das nun mit dem Neubau von Radwegen aus Bundesmitteln - zum Beispiel auch mal fünf Kilometer von der Bundesstraße entfernt, wenn es für den Fahrradverkehr sinnvoll ist? Bereits vor einigen Jahren hatte der Landkreis Teltow-Fläming versucht, einen 50 Kilometer langen Lückenschluss zwischen Berlin und dem Fläming Skate herzustellen. Auch weil der Ausbau von Wald- und Feldwegen abseits der Bundesstraßen gescheitert ist, verläuft die Verbindung heute weitgehend als straßenbegleitender Radweg an der B96. Touristisch tatsächlich uninteressant heißt dieser Abschnitt zu allem Überfluss Radweg Berlin-Leipzig - und verspricht hier mehr als er halten kann.

Dellmann: Anträge für Radwege abseits von Bundesstraßen stellen

"In meiner Amtszeit hat kein Landkreis bei mir einen Antrag für einen Radweg abseits von Bundesstraßen aus Bundesmitteln gestellt", sagte Dellmann gestern auch Nachfrage. Dabei wurden seit 2004 in Brandenburg 50 Millionen Euro für Radwege an Bundesstraßen und 30 Millionen Euro für Radwege an Landesstraßen in Brandenburg investiert. Das Land sei inzwischen bundesweiter Spitzenreiter beim Ausbau von Radwegen.

Wer blockiert Radwege abseits von Bundesstraßen aus Bundesmitteln - die Kreise, das Land oder der Bund?

Trauen sich also die Landkreise nicht die aus Fahrradsicht richtigen Anträge zu stellen? Oder gibt es noch alte Richtlinien des Landes Brandenburg, die die offensichtlich nicht mehr zeitgemäßen Förderrichtlinien festschreiben? Oder ist es vielleicht doch die Bundesregierung, die - anders als von deren Verkehrsstaatssekretär Ulrich Kasparick behauptet - Radwege nur dazu benutzen will, um Radfahrer mittels einer Radwegbenutzungspflicht von der Straße zu bekommen? Dabei hatte Kasparick nach massiven Protesten von Radfahrern Anfang Februar 2008 im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages erklärt: "Wir haben in Deutschland keine Radwegbenutzungspflicht."

100 Millionen Euro für Radwege aus dem Bundeshaushalt

Insgesamt stellt das Bundesverkehrsministerium pro Jahr 100 Millionen Euro zur Verfügung, die von den Ländern für den Neubau von Radwegen abgerufen werden können. Und genau diese Förderrichtlinien des Bundes scheinen bisher weniger die Interessen des Fahrradverkehrs zu verfolgen. Wenn es zur nächsten Autobahnauffahrt geht, müssen Radfahrer eben mit - egal ob der parallele Feldweg die Ziele des Fahrradverkehrs vielleicht sogar besser verbindet. Und eben auch touristisch interessant ist.

 

Weitere Artikel zur Sommer-Fahrradtour mit Verkehrsminister Dellmann lesen

- in den Potsdamer Neuesten Nachrichten unter www.pnn.de

- in der Märkischen Allgemeinen unter www.maerkischeallgemeine.de

- mehr auf der offiziellen SPD-Website von Reinhold Dellmann unter www.reinhold-dellmann.de sowie beim Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung unter www.mir.brandenburg.de

- Fotos der Sommer-Radtour bei der SPD-Organisatorin Susanne Melior unter www.susanne-melior.de ansehen

- Fotos der Sommer-Radtour und des Havel-Radweges in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen