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Am 20.10.10 eröffnet:
Neue Grabowseebrücke
nördlich von Oranienburg
auf dem Radweg von
Berlin nach Kopenhagen

Oranienburg: Der neue Radweg Berlin-Kopenhagen

Berlin, 21. Oktober 2010

Spätestens seit der Landesgartenschau 2009 verwandelt sich die nordwestlich von Berlin gelegene Kreisstadt Oranienburg, wird fahrradfreundlicher und gewinnt neues Selbstvertrauen. An Oranienburgs Kanälen führen seit Herbst 2010 neue Radwege fast durchgängig bis zum Schloss - und gestern wurde die neue Grabowseebrücke eröffnet.

Ein bisschen unsicher wirkt die Stadtverwaltung manchmal noch. Es sei "der Wunsch vieler Friedrichsthaler und Schmachtenhagener nach einer direkten Wegeverbindung" gewesen, heißt es zur gestern eröffneten Fahrradbrücke über den Oder-Havel-Kanal. "Somit wird endlich auch die letzte Lücke im Verlauf des Radfernwegs Berlin-Kopenhagen im Landkreis Oberhavel geschlossen", ist erst im letzten Satz einer Pressemitteilung der Stadt Oranienburg zu erfahren.

Tatsächlich handelt es sich bei der neuen Grabowseebrücke um eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte des offiziell bereits vor fast zehn Jahren eröffneten Radweges Berlin-Kopenhagen. Das 73 Meter lange Bauwerk wurde mit rund 2,5 Millionen Euro zu 100 Prozent aus Bundesmitteln finanziert und ersetzt eine seit 1996 oft unregelmäßig und im Winterhalbjahr gar nicht verkehrende Personenfähre.

Bereits vor einer Woche wurde zudem ein Rad- und Betriebsweg am Oranienburger Kanal offiziell freigegeben. Abseits der Straßen geht es bestens asphaltiert auf dem Deich entlang - autofrei, zweieinhalb Meter breit und unter alten Bäumen. Die rund 5,5 Kilometer lange Strecke führt bisher ohne Fahrradwegweisung vom südlich gelegenen Pinnow immer am Wasser entlang bis fast in die Altstadt und zum frisch sanierten Schloss Oranienburg.

Was offiziell noch nicht so heißt soll künftig die touristisch attraktivere Variante des Radweges Berlin-Kopenhagen im Stadtgebiet Oranienburgs werden. Denn der ging in der Vergangenheit ab Borgsdorf bisher wenig attraktiv straßenbegleitend nach Lehnitz, um dort auf einer viel befahrenen Straße zu enden und schließlich weit ab des historischen Stadtzentrums an Oranienburg vorbeizuführen.

Doch wie ist es zu diesem kleinen Wunder gekommen, welches im so genannten Speckgürtel bisher seinesgleichen sucht? Klar, Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) lässt sich selbst auf Wahlkampfplakaten gerne auf dem Fahrrad ablichten - bei Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit bisher genauso undenkbar wie bei fast allen seiner Brandenburger Amtskollegen.

Doch vor allem eine von der Bundesregierung im Nationalen Radverkehrsplan 2002-2012 lange bejubelte, aber anfangs nicht nutzbare Finanzierungsquelle zum "Radwegebau an Bundeswasserstraßen" machte den Radweg am Oranienburger Kanal jetzt möglich. Die zuständigen Wasser- und Schifffahrtsämter erklärten jahrelang, sie bräuchten keine Betriebswege an Land. Und so konnten die theoretisch pro Jahr vorhandenen zehn Millionen Euro (inzwischen auf vier Millionen Euro pro Jahr gekürzten) Bundesmittel nicht abgerufen werden. Erst eine Änderung der Verfahrensweise zur Beantragung dieser Mittel vor drei Jahren machte die Investition in Oranienburg in Höhe von 736.000 Euro jetzt möglich.

Ist der Radweg Berlin-Kopenhagen damit nach zehn Jahren seit seiner offiziellen Eröffnung im April 2001 im Landkreis Oberhavel wirklich fertiggestellt? Viele Lücken sind tatsächlich inzwischen geschlossen worden. So wurde ebenfalls im Herbst 2010 die einstige Schlaglochpiste nördlich von Oranienburg zwischen Liebenwalde und der Schleuse Bischofswerder saniert und neu asphaltiert.

Doch vor allem südlich von Oranienburg ist der Radweg Berlin-Kopenhagen in den Stadtgebieten von Birkenwerder und Hohen Neuendorf bisher touristisch kaum interessant. Ein Ausbau ist höchstens auf kurzen Abschnitten erfolgt, die Wegeführung ist entweder straßenbegleitend oder irgendwo lieblos im Zickzackkurs weit abseits der Havel geführt.

Denn eigentlich ist der Radweg Berlin-Kopenhagen in Brandenburg zugleich auch der Havel-Radweg und wurde ursprünglich als solcher in den 1990er Jahren geplant. Oranienburg hat jetzt die Latte höher gelegt - auch für den fehlenden Lückenschluss auf dem Haveldeich bis nach Hennigsdorf. Denn gerade Radfernwege sind keine Notwege hinter Leitplanken an Bundesstraßen - Radfahrer haben andere Ziele als das nächste Autobahnkreuz. So viel Verständnis für Fahrradverkehr und Fahrradtourismus sollte im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts eigentlich selbstverständlich sein.

 

Hintergrund

- Fotos des Radweges Berlin-Kopenhagen in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen

- den GPS-Track für den neuen Radweg Berlin-Kopenhagen in Oranienburg unter kontakt@benno-koch.de anfordern