Schöner Leben: Fahrradfrühling und Fahrradmesse VeloBerlin Berlin, 25. März 2011 An diesem Wochenende startet in den Messenhallen am Funkturm erstmals
die VeloBerlin. Bereits seit Tagen lockt die Sonne immer mehr Menschen
aufs Rad und zurück auf die Straßen. Wie mache ich mein altes Fahrrad
fit? Was sollte ich beim Neukauf eines Rades beachten? Fahrradexperte
Benno Koch gibt Tipps für den Start in den Fahrradfrühling – heute ab 12
Uhr live auf Radio Eins. Auch in diesem Winter hatten viele Fahrradläden in der Region
Berlin-Brandenburg gut zu tun, doch jetzt im Frühling heißt es nun
Schlange stehen. Mit viel Platz auf 11.000 Quadratmetern öffnet an
diesem Wochenende Berlins größter „Fahrradladen“ unter dem Funkturm.
Mehr als 160 Aussteller zeigen auf der neuen Publikums- und
Verkaufsmesse VeloBerlin aktuelle Produkte aus den Bereichen Fahrrad,
Fahrradzubehör und Elektromobilität. Mit dabei sind fahrradfreundliche
Reiseveranstalter, Tourismusregionen und Weltenbummler. Was sind in die Fahrradtrends in diesem Jahr? Elektrofahrräder stehen
weiterhin ganz oben auf der Wunschliste der meisten Hersteller. Mit
200.000 neu verkauften E-Bikes machten diese so genannten
Hybridfahrräder nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) rund
fünf Prozent aller 3,91 Millionen im vergangenen Jahr in Deutschland
verkauften Fahrräder aus. Dem ZIV zufolge betrug der Gesamtumsatz dabei
1,84 Milliarden Euro – die Deutschen gaben also 1,7 Prozent mehr für
neue Fahrräder aus als noch 2009. Hinzu kommen die Ausgaben für
Ersatzteile und Zubehör. Was bedeutet eigentlich Pedelec? Wie bei jedem anderen Fahrrad muss man
noch immer selbst treten, aber ein Elektromotor läuft bis zu einer
Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützend mit. So können auch Menschen
die sonst wenig oder gar nicht Rad fahren längere Strecken bewältigen,
problemlos Steigungen hochfahren und bei Gegenwind müde lächeln. Auf der VeloBerlin lässt zum Beispiel der Berlin-Brandenburger
Fahrradhändler Das Radhaus (fast) alle am Markt angebotenen Motortypen
und die wichtigsten Elektrofahrradmarken von den Besuchern auf dem
Messeparcours testen. Wer dann kurzentschlossen eines dieser Räder
kaufen möchte, spart auf der Messe 20 Prozent gegenüber dem
Radhaus-Ladenpreis. Was sollten Käufer von E-Bikes (Pedelecs, Hybridfahrräder usw.) beachten? - bei der Akkulaufzeit wird nach wie vor skrupellos übertrieben (nach unabhängigen Tests zum Beispiel von ExtraEnergy fragen)
- ein aktueller Akku hat 1.100 Ladezyklen, die bei täglicher Nutzung
theoretisch für drei Jahre reichen, praktisch aber mit zunehmend
geringerer Leistung einhergehen
- also bereits beim E-Bike-Kauf die Frage nach dem (mehrere hundert Euro
teuren) Ersatzakku nicht vergessen oder gleich einen Zweit-Akku
raushandeln (verdoppelt die Reichweite unterwegs)
- ein E-Bike ist schwerer, muss aber für die zusätzlichen Kräfte auch
stabiler als ein normales Fahrrad sein (auch hier nach unabhängigen
Tests für Rahmen, Gabel, Lenker, Sattelstützen, Bremsen usw. fragen)
- manche E-Bikes versagen am Berg oder bereits am Hügel vor der Haustür
(also vor dem Kauf mal eine längere Testfahrt bergauf machen)
- nach dem maximalen zulässigen Gesamtgewicht fragen (also E-Bike plus
Fahrer plus Wochenendeinkauf oder auch Gepäck für eine Radreise)
Ein gutes Fahrrad sollte man im Fahrradfachhandel kaufen – laut ZIV
haben dies im vergangenen Jahr gut zwei Drittel der Käufer beherzigt.
Aber auch dort ist Vorsicht geboten, die richtigen Fragen zu stellen
erspart späteren Ärger:
-
das Gewicht eines Fahrrades ist beim Radfahren kaum interessant, solange
man nicht als Sportler um Zehntelsekunden kämpft oder eine der letzten
U-Bahntreppen samt Rad und ohne Fahrstuhl täglich bezwingen muss
-
Industrie und Handel verkaufen noch immer gerne Aluminiumfahrräder und begründen dies mit einem angeblichen Gewichtsvorteil
-
tatsächlich sind diese Rahmen bei gleicher Festigkeit kaum leichter im
Vergleich zu einem CroMo-Rahmen (also aus hochwertigem Stahl) während
Aluminium leichter bricht und schlechtere Fahreigenschaften hat (ist steifer - daher
haben diese Räder meist schwere Federgabeln)
-
Carbon-Rahmen, -Gabeln oder -Lenker bedürfen einer besonderen
Überwachung, die außerhalb des Leistungssportbereiches nicht gegeben ist
(Stichwort: Spontanbrüche ohne Ankündigung – also den Händler genau
nach Tests, Betriebsdauer und Umgang mit nicht sichtbaren Schäden
fragen)
-
ein dem Stand der Technik entsprechendes Fahrrad sollte einen
Nabendynamo haben (der ist leichtgängig und funktioniert immer), eine
Diodenbeleuchtung (die hält länger, ist lichtstärker und gibt es heute
auch für Fahrräder als Tagfahrlicht), Hydraulikbremsen (sind präzise
dosierbar und es können keine Bowdenzüge reißen)
-
Fahrräder werden selten komplett getestet, es gibt viele Klein- und
Kleinsthersteller und auch einige große, die darauf verzichten (es gab
in den vergangenen Jahren große Rückrufaktionen auch für so genannte
"Fahrräder des Jahres", also fragen ob und wie das Fahrrad als Ganzes
getestet wurde)
-
Lenker aus Aluminium können gefährlich sein, vor allem wenn der
Lenkervorbau aus Stahl ist (durch die unterschiedliche Ausdehnung der
Materialien entstehen Spannungen die zu Rissen führen können)
-
Rücktrittbremsen stehen im Notfall nicht unbedingt in der idealen
Position, pro 180 Grad Kurbelumdrehung stehen die Pedalen nur einmal
richtig, vor allem für Erwachsene sind daher zwei Felgenbremsen die
sichere Wahl
-
härtere und schmalere Sättel verhindern Scheuerstellen, nachdem diese
eingefahren sind (weiche Sättel sind genaugenommen nur „bequem“, wenn
man Fahrradfahren ohnehin zu anstrengend findet – nach wenigen
Kilometern kehrt sich der vermeintliche Vorteil in einen schmerzhaften
Nachteil fürs Sitzfleisch)
Auch die Wartung von Fahrrädern ist noch immer ein hör- und sichtbares Problem: - Reifen werden von Fahrradfahrern selbst meist „nach Gefühl“ aufgepumpt und haben dann weniger als die
Hälfte des zulässigen Mindestdrucks (einfach den Wert in bar auf der
Reifenflanke ablesen und diesen mit einem Manometer prüfen)
-
der richtige Reifendruck verhindert Risse an den Reifenflanken oder das
Eindringen von Fremdkörpern (Glasscherben, Dorne, Holzsplitter und
ähnliches auf Straßen und Radwegen)
-
je höher der Reifendruck, desto geringer der Rollwiderstand und umso kraftsparender das Radfahren
-
Ketten verschleißen im Zeitraffer (ab 1.500 Kilometer, also bei
täglicher Nutzung bereits nach wenigen Monaten, gibt es bereits schwere
Schäden), also einfach die Längung messen (mit einer Messlehre oder der
Bleistiftmethode – passt ein Bleistift zwischen Kette und Kettenblatt,
ist die Lebensdauer für beide zu Ende)
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Ketten sollten nicht entfettet (keine Fettlöser verwenden - die schwer zugänglichen Zwischenräume der Kettenbolzen würden entfettet), sondern nur äußerlich gereinigt werden
-
die Kette nach jedem Regen (und sonst einmal im Monat) mit einem
Kettenspray (lässt sich optimal dosieren und verteilen) schmieren
(verringert die Reibung auch vor dem ersten hörbaren Quietschen)
-
Felgenbremsen sind richtig eingestellt, wenn der erste Druckpunkt
bereits nach wenigen Millimetern erreicht ist (an vielen Bremsgriffen
befinden sich Stellschrauben mit Kontermuttern zum Nachjustieren, bei
täglicher Fahrradnutzung sind die Bremsklötzer ein bis zwei Mal pro Jahr
verschlissen und müssen getauscht werden)
-
Felgen verschleißen nach dem Willen der Hersteller auch, eine Nut als
Indikator auf der Lauffläche soll ein Durchbremsen und Brechen der Felge
rechtzeitig anzeigen (wenn die Nut verschwunden ist, Felge austauschen)
Mehr Infos in Schöner Leben heute ab 12 Uhr auf Radio Eins live hören
und Fragen rund um Fahrradkauf und Wartung loswerden - oder nach der
Sendung als Podcast unter www.radioeins.de alles noch mal nachhören. Hintergrund - auf der offiziellen Website der VeloBerlin weitere Infos nachlesen - Fotos der Pressekonferenz der Velo Berlin in der Bildergalerie www.benno-koch.de anschauen - Nachtrag: Fotos eines Messe-Rundgangs am Samstag, 26. März 2011 über die VeloBerlin in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen
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