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Fahrradmesse VeloBerlin
im Test am
Samstag, 26. März 2011
auch der Flyer Cargo

VeloBerlin - die neue Fahrradmesse im Test

Berlin, 27. März 2011

Noch bis 18 Uhr stehen heute die Türen der VeloBerlin in den Hallen am Funkturm offen. Die neue Fahrradmesse feiert seit gestern Premiere. Am Vortag gab es bereits einen Fachkongress Metromobile. Benno Koch war am Samstag Mittag auf der VeloBerlin unterwegs.

Ob denn tatsächlich der Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf die VeloBerlin eröffnet habe, will ich wissen? Oder ob ein anderer Vertreter der Stadt dies getan hätte? Das könne er nicht sagen, erklärt mir Sebastian Backhaus. Der Mann ist Pressesprecher der VeloBerlin und ist erstaunlich verschwiegen - auch am Sonntag Mittag gibt es noch keine Besucherzahlen für den gestrigen Samstag.

Ich bin mit meinem Kollegen Ulf Hoffmann auf der Messe unterwegs. Hoffmann war Mitte der 1990er Jahre der bundesweit erste Journalist, der wöchentlich Fahrradthemen in einer Tageszeitung publizieren durfte - in der "Auto"-Beilage des Berliner Tagesspiegel.

So genannte Qualitätsmedien oder gar Boulevardblätter tun sich noch heute extrem schwer, über das Thema Fahrrad vorurteilsfrei und vor allem regelmäßig zu berichten. So heißt die Überschrift zur VeloBerlin in der heutigen Ausgabe des Boulevardblatts B.Z. noch immer schlicht Ihr habt ja wohl ein Rad ab. Das die Schreiberlinge dort die Veranstaltung auch noch ins ICC abschieben, unterstreicht die einzigartige Qualität der B.Z.-Recherche.

Die Sonne ist rausgekommen. Trotzdem verirrt sich kaum einer der Messebesucher zum extra eingerichteten Fahrradparkplatz an der Masurenallee. Der erste Eindruck drinnen ist besser: "Es ist voller als vor einem Jahr", sagt Hoffmann. Damals im November 2009 hieß die VeloBerlin noch Fahrrad.Markt.Zukunft und war Teil der Boot und Fun.

Auch das Bild der Aussteller hat sich verändert. Diesmal sind tatsächlich viele Hersteller nach Berlin gekommen und versprühen einen winzigen Hauch von Eurobike, der größten deutschen Fahrradmesse. Daneben werben die großen Fahrradgeschäfte Berlins mit 20 Prozent Messerabatt auf alles - an den Ständen vom Zweiradcenter Stadler und der Ladenkette Das Radhaus haben sich kleine Schlangen gebildet.

Zwischen den Messeständen klingelt uns Jens Hübner beiseite. Der Weltenbummler war nach einer zweijährigen Radreise 2008 am Brandenburger Tor begeistert empfangen worden. Seine Abenteuer hielt er vor Ort auf Aquarellen fest und gibt heute ungewöhnliche Seminare zum Zeichnen und Aquarellieren auf Reisen.

Am Stand von Utopia Velo treffen wir Ralf Klagges - mit weit über hundert Kilo Lebendgewicht ein echtes Schwergewicht der Branche. Pro Jahr werden 3.000 Rahmen der Marke Utopia produziert - in den Niederlanden. "Die offiziellen Zahlen zur Fahrradproduktion in Deutschland sind alle falsch", sagt Klagges. "95 Prozent der Rahmen werden außerhalb Deutschlands produziert, die hochwertigen meist in Taiwan und China, die billigen in Osteuropa." 

Doch Utopia Fahrräder unterscheiden sich von vielen Mitbewerbern - sie sind aus Stahl und sie werden getestet: "Wir testen unsere Fahrräder nicht nur in Einzelteilen, sondern als Ganzes." Utopia wirbt daher auch selbstbewusst mit einem zulässigen Gesamtgewicht von Fahrrad, Fahrer und Ausrüstung zwischen 150 und 180 Kilogramm! Die Europäische DIN EN für Fahrräder sieht lediglich "mindestens 100 Kilogramm Gesamtgewicht" vor.

Viele andere so genannte Fahrrad-"Hersteller" kaufen die Einzelteile auf dem Weltmarkt ein, bauen sie in Deutschland zusammen und vermarkten diese als "Made in Germany" - und testen das Ergebnis nicht einmal. Könnten sich eigentlich alle Kleinsthersteller von Fahrrädern einen Test wie den der Utopia-Räder leisten? Klagges ist sich sicher.

Ein wahrer Hingucker ist ein quitschegelbes Postfahrrad am Stand des Schweizer Elektroradpioniers Flyer. Nein, der Flyer Cargo sei leider erst ein Modell, sagt Ralf Barthel, Flyer-Marktbetreuer in Deutschland. Insgesamt verkaufe man derzeit 60.000 Elektrofahrräder pro Jahr und könne es selbst nicht glauben. Zu den bereits am Markt befindlichen Modellen wie beispielsweise der X-Serie (u.a. Mountainbikes) solle ein Fitnessbike mit einem Gewicht um die 20 Kilogramm hinzukommen - natürlich inklusive Motor und Batterie.

Besonders stolz ist man auf die Akku-Technologie. Die von Flyer verwendeten modernen Lithium-Ionen-Akkus mit 12 Ah (Amperestunden) hätten sich im Test mit ihrer intelligenten Steuerung als leistungsstärker und langlebiger gezeigt als die 18 Ah Variante eines Mitbewerbers.

Im Vergleich zu den fast schon klassischen E-Bike-Regionen in Österreich und der Schweiz ist Berlin-Brandenburg allerdings noch so etwas wie ein Entwicklungsland. Erstmals in der Hauptstadtregion startet movelo am 16. April 2011 im Reisegebiet Dahme-Spreewald einen E-Bike-Verleih. An insgesamt 17 Verleih- und Akkuwechselstationen können dann zwischen Königs Wusterhausen und Lübben die Schweizer Flyer getestet werden.

Nachtrag: Laut der mitveranstaltenden Messe Friedrichshafen zählte die VeloBerlin bis Sonntag Abend rund 8.450 Besucher und hätte "nach dem Musikpreis Echo" selbst für ein "starkes Echo" gesorgt. Clever, clever ...

 

Hintergrund

- Fotos des Messe-Rundgangs in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen