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Movelo Dahme-Spreewald:
50 E-Bikes können
zwischen
Königs Wusterhausen
und Lübben
genutzt werden

Schöner Leben: E-Bikes- und Fahrradverleih in Berlin und Brandenburg

Berlin, 29. April 2011

Wer einen Pkw leihen möchte kann dies in Berlin und den Städten Brandenburgs praktisch überall tun, manchmal rund um die Uhr, in der Regel als Einweg-Miete – und meist mit dem allerneuesten Modell. Fahrradexperte Benno Koch hat sich in Berlin und Brandenburg mal unter den Zweirädern umgesehen und Neuigkeiten beim E-Bike-Verleih entdeckt. Alle Fragen und Antworten zum Fahrradverleih gibt’s heute live im Schönen Leben auf Radio Eins.

Namen wie Europcar, Sixt, Hertz, Avis oder auch die Berliner Lokalhelden Robben & Wientjes stehen für einen professionellen und hochwertigen Autoverleih, der fast keine Wünsche offen lässt. Doch wer kümmert sich eigentlich um einen gleichwertigen Fahrradverleih?

Gibt es Fahrradverleiher, die als Verbund zumindest in einzelnen Regionen gemeinsam auftreten, so dass man nicht immer zum Ausgangsort zurück muss? Und darf man gezwungenerweise noch immer mit einem in die Jahre gekommenen Billigfahrrädern der Bauart Unisex mit Rücktrittbremse Vorlieb nehmen? Was macht eigentlich der "Megatrend" E-Bike im Fahrradverleih so?

Zunächst die gute Nachricht: Mit der ersten Movelo-Region in Berlin und Brandenburg ist Mitte April 2011 die Reiseregion Dahme-Spreewald an den Start gegangen – mit 50 E-Bikes an 17 Verleih- und zusätzlich acht Akku-Wechselstationen. Movelo ist der weltweit größte Elektrofahrrad-Verleiher. Zwischen April und Oktober können die Räder des Schweizer E-Bike-Pioniers Flyer zwischen Königs Wusterhausen am Berliner Stadtrand und Lübben im Spreewald ausgeliehen werden – und zum Beispiel auf dem Dahme-Radweg getestet werden. Pro Tag und Rad werden 20 Euro fällig, Ersatzakkus an den Wechselstationen unterwegs gibt’s gratis.

Auch die Deutsche Bahn steht mit ihren eCall a Bikes in den Startlöchern. Noch im Sommer 2011 werden die neuen Elektrofahrrad-Modelle in Berlin und Stuttgart an den neuen Call a Bike Stationen zu finden sein. So gut wie unbemerkt hatte die Bahn in Berlin bereits seit einem Jahr vier Test-eCall-a-Bikes von Riese und Müller am Berliner Hauptbahnhof im Angebot – zum Preis von 15 Euro pro Tag.

Ebenfalls ganz neu sind die Stadtwerke Neuruppin mit zehn E-Bikes bei ihrem Tochterunternehmen der Fahrgastschifffahrt am Ruppiner See vertreten. Die Räder kommen vom Hersteller Derby Cycle AG und sind speziell für den Stadtwerkeverbund Trianel entwickelt worden. Für einen Einstiegspreis von 20 Euro am Tag können die Räder täglich gemietet werden, später sollen es fünf Euro mehr sein. Radio Eins Hörer können bereits an diesem Samstag Nachmittag sechs der E-Bikes kostenlos testen – auf einer 40 Kilometer kurzen Rad- und Kanutour mit Benno Koch von Neuruppin nach Linum.

Und wie sieht es mit dem Verleih von "normalen" Fahrrädern in Berlin und Brandenburg aus? Seit einigen Jahren gibt es einen starken Trend zu mehr Angeboten an Leihrädern vor allem in Berlin: Praktisch jeder amerikanischen Tourist fährt mindestens einmal in seinem Leben Fahrrad – in Berlin auf einem Leihrad auf dem Mauerweg durchs Regierungsviertel!

Fat Tire Bikes (Stadt und Rad) ist als einer der größten Fahrradverleiher mit 450 Fahrrädern an den Bahnhöfen Alex und Zoo vertreten – täglich in der Hauptsaison von Mai bis September von 9.30 bis 20.00 Uhr, im restlichen Jahr täglich bis 18.00 Uhr – mit 12 Euro ist man dabei. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben stolz darauf, jährlich fabrikneue Fahrräder anzubieten.

Die Deutsche Bahn war bisher innerhalb des Berliner S-Bahn-Ringes mit mehr als 1.000 Leihrädern der Marke Call a Bike vertreten – ohne feste Stationen, rund um die Uhr und ohne feste Rückgabepunkte vertreten. In diesem Jahr wird alles anders, der Start für die neuen 80 festen Stationen mit 1.650 Fahrrädern in Berlin steht allerdings noch nicht fest. Der Mietpreis beträgt bisher pro Tag 15 Euro, mit BahnCard nur 9 Euro. Interessant ist auch der Pauschaltarif für ein ganzes Jahr: 36 Euro, mit BahnCard nur 27 Euro. Die Räder selbst sind zu einem großen Teil bereits in die Jahre gekommen – nach Angaben der Bahn werden sie jährlich "generalüberholt" – immerhin startete Call a Bike bereits im März 2000 zuerst in München und kurz darauf in Berlin.

Eine bescheidene und etwas versteckte Liste mit Fahrradverleihern hat die Berlin Tourismus & Kongress GmbH auf ihrer Website unter www.visitberlin.de veröffentlicht – "Aber das ist sicherlich noch stark ausbaufähig", heißt es durchaus ehrlich von den offiziellen Berlin-Werbern.

Ziemlich durchwachsen ist auch das Angebot in den einzelnen Reiseregionen Brandenburgs. "Ich kenne bei uns keine E-Bike-Verleiher", sagt Traugott Heinemann-Grüder, Geschäftsführer der Reiseregion Fläming. Aber: "Am 24. Juni 2011 ist in Kolzenburg Party – auf den Tag genau zehn Jahre Fläming-Skate." Fläming-Skate heißen übrigens die inzwischen mehr als 210 Kilometer langen Fahrradstraßen 50 Kilometer südlich von Berlin. Gratulation!

"Wir sind gerade dabei mit regionalen Anbietern für die Saison 2012 ein ähnliches Angebot wie im Dahmeland zu strippen", heißt es von Kathrin Winkler, Geschäftsführerin im Tourismusverband Niederlausitz, zur Frage nach Elektrofahrrad-Verleihern in ihrer Region.

Eine Liste mit mehr als 150 konventionellen Fahrradverleihern hat die Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) unter www.reiseland-brandenburg.de zusammengestellt. "Die Daten basieren auf einer Abfrage bei den Reisegebieten vor drei Jahren", heißt es von den offiziellen Brandenburg-Werbern.

 

Checkliste für den Fahrradverleih

  • gute Leihfahrräder sollten Jahresfahrräder sein und dem Stand der Technik entsprechen

  • wie im professionellen Autoverleih selbstverständlich hochwertige Fahrzeuge angeboten werden, sollte dies auch für den Fahrradverleih gelten

  • Unisexräder mit Tiefeinstieg sind meist Billigräder für kurze Strecken

  • obwohl nicht mehr Stand der Technik werden Leihfahrräder gerne noch ohne Nabendynamos (also mit schwergängigen „Seitenläufern“) angeboten, kein Spaß wenn's doch mal in die Dämmerung geht, richtig hell wird’s übrigens mit Diodenlampen

  • die Sättel sind meist zu breit und zu weich und nicht für längere Strecken geeignet, also deutlich Wünsche äußern

  • den Reifendruck vor Fahrtantritt messen lassen (bei modernen Reifen 6 bar)

  • der erste Druckpunkt der Bremsen muss bereits nach wenigen Millimetern kommen, falls nicht, vor Fahrtantritt nachstellen lassen, Stand der Technik sind Hydraulikbremsen

  • eine Probefahrt machen, da oft die Fahrradgröße und die Einstellungen von Sattel und Lenker nicht stimmen

  • an den stärksten Ausflugstagen am Wochenende verabschieden sich viele Fahrradverleiher noch immer gerne selbst auf ihre Datscha, also vorab Öffnungszeiten klären

  • nach Einweg-Mieten fragen, zum Beispiel wenn es von einem anderen Bahnhof zurück gehen soll


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