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Kängurus im Outback
70 Kilometer
südöstlich von Berlin:
Auf den Spuren des
Australienforschers
Ludwig Leichhardt rund
um den Schwielochsee

Abenteuer im Land der Kängurus

Berlin, 23. Juli 2013 [zuletzt geändert 27.07.13, 00:01 Uhr]

Der Mann soll nur 35 Jahre alt geworden sein. Vier Jahre verbrachte er auf drei Expeditionen quer durch Australien. 2013 jährt sich sein Geburtstag zum 200sten Mal. Der Leichhardt-Trail führt in seinen Geburtsort Sabrodt, 70 Kilometer südöstlich von Berlin. In Australien soll sein Name noch heute allgegenwärtig sein. Benno Koch war im Brandenburger Outback unterwegs und verrät am Samstag, 27. Juli 2013 die spannendsten Abenteuer im Fahrradsommer.

In der Dämmerung flüchtet eine Herde Kängurus vor der herannahenden Regionalbahn quer über eine Waldlichtung. Andere Fahrgäste haben nichts bemerkt. Was ich sehe, kann nicht wahr sein. Wir sind hier schließlich in Brandenburg. Bei der nächsten Bahnfahrt im Tageslicht ist die Herde immer noch da. Was ist das? Genau 200 Kängurus aus Stroh sollen in diesen Tagen südlich von Berlin unterwegs sein. Zum Beispiel zwischen Schönwalde und Goyatz am Schwielochsee. Genau 121 Kängurus sollen am Bahndamm stehen. Eine der schönsten Marketingideen Brandenburgs überhaupt. Und ganz offiziell zum 200sten Geburtstag des Australienforscher Ludwig Leichhardt. Eine leicht inoffizielle rund 60 Kilometer kurze Radtour erkundet nun das Outback Brandenburgs rund um den Schwielochsee - ein weißer Fleck auf der Landkarte der ausgebauten Radfernwege.

Der offizielle Leichhardt-Trail beginnt irgendwo im Nichts. Genaugenommen im 616 Seelenort Trebatsch und führt über 54 Kilometer südwärts über Goyatz nach Cottbus. Ein Ausbau als Radweg ist nicht erfolgt, viele Abschnitte sind sandig. Auf den Wegweisern mit den gelben Känguru-Symbolen wurden die Orts- und Kilometerangaben vergessen. An eine Anbindung an den nächsten Bahnhof hat niemand gedacht. Hätte nicht gerade der Entdecker Leichhardt, der entlegenste Kontinente vermessen und für die Besiedlung zugänglich gemacht hat, nicht auch den Radweg vor seiner Haustür perfektioniert?

Wie es trotzdem mit einem Leichhardt-Radweg gehen kann, soll diese 60 Kilometer lange, leicht inoffizielle Radtour von Schönwalde über Goyatz nach Beeskow zeigen. Und um es vorweg zu nehmen: Im Brandenburger Outback ist es selbst in diesen Hochsommertagen grüner, abwechslungsreicher, vermutlich schöner und angenehm kühler als in den Tanami-, Simpson- und sonstigen großen Sandwüsten Australiens.

Ein paar hundert Meter vom Bahnhof Schönwalde entfernt warten bereits die ersten Kängurus. Auf einer fast schon skandinavisch anmutenden Landstraße geht es danach immer ostwärts durch alte hohe Wälder. In Schlepzig lädt das neue Spreewaldini zur ersten Rast. Mit Single Malt Whisky aus der Spreewald-Destille oder einfach mit einem selbstgemachten Eis.

Nun beginnen einige Abschnitte des Gurken-Radweges nach Groß Leuthen. Wirklich als Radweg ausgebaut ist hier zwar nichts, aber die Dorfstraßen sind ruhig, beschaulich und meist gut befahrbar. In Groß Leuthen wartet der gleichnamige See für einen Sprung ins angenehm kühle Nass. Das beeindruckende Wasserschloss Groß Leuthen mit Ursprüngen von 1368 verbarrikadiert sich dagegen hinter hohen Zäunen und mit Verbotsschildern.

Immer ruhiger und beschaulicher geht es über Dörfer wie Leibchel und Guhlen nach Goyatz am Schwielochsee, wo an diesem Wochenende erstmals seit 120 Jahren wieder ein Lastensegler über Brandenburgs größten natürlichen See kreuzen soll. Der so genannte Kaffeekahn mit dem Namen Concordia ist ein Nachbau eines 1987 aus der Havel geborgenen Lastenkahns, der heute im Deutschen Technikmuseum zu bewundern ist.

Kurz vor Leichhardts bis heute ungeklärtem Verschwinden im australischen Outback wurde in Goyatz am 24. Juni 1846 die Cottbus-Schwielochsee-Eisenbahn eröffnet. Es war die erste Eisenbahn in der Lausitz, die immerhin 33 Jahre als Pferdeeisenbahn auf der 31 Kilometer langen Schienenstrecke bis Goyatz verkehrte. Im Hafen Goyatz wurden Güter wie Fisch, Getreide und Kohle auf bis zu 20 Lastkähne gleichzeitig verladen, um auf der Spree, der Havel und der Oder weiter transportiert zu werden. Der bereits nach dem Ersten Weltkrieg wieder geschlossene Bahnhof Goyatz der Spreewaldbahn aus dem Jahre 1904 erstrahlt übrigens heute schöner als viele noch in Betrieb befindliche Bahnhöfe Brandenburgs.

Natürlich lockt diesmal vor allem die Badewiese in Goyatz, bevor nun der offizielle Leichhardt-Trail am Schwielochseeufer in Richtung Norden führt. Bis auf kurze Abschnitte nicht ausgebaut, aber durchaus romantisch und meist befahrbar geht es nach Trebatsch, wo die letzten Kängurus den Weg kreuzen.

Auf einem straßenbegleitenden, abschnittsweise sehr gut ausgebauten Radweg an der Bundesstraße B87 geht es dann nach Beeskow, wo die historische Altstadt mit ihren Tortürmen rund um den Dom St. Marien den perfekten Abschluss dieser Radtour bilden soll.

Natürlich wartet unterwegs wie immer ein gutes Café und am Ende ein schönes Restaurant - auf einer entspannten Radtour für Genießer.

 

Einfach anmelden - Kängurus im Brandenburger Outback erleben!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Samstag, 27. Juli 2013

  • Strecke: Die rund 60 Kilometer kurze Tour zu den Kängurus ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Treffpunkt: 10:15 Uhr, Berlin Hauptbahnhof

  • Ende: gegen 22:30 Uhr in Berlin-Mitte

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (5,80 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (27. Juli 2013, 00:01 Uhr): noch 10 von 20 Plätzen frei

  • Badepausen: in vielen schönen Seen entlang der Radtour möglich, Badesachen bitte nicht vergessen!

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit der Bahn entspannt wird, bitte im RegionalExpress immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf die eigentlich generell verzichtet sollte) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

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