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Kaiserbahnhof
Joachimsthal:
Brandenburgs
märchenhaftester Bahnhof
ist perfekt saniert
-ob hier künftig
noch Züge halten,
ist wieder einmal fraglich

Spur der todgeweihten Bahnhöfe (Teil 3): Kaiserbahnhof-Hammelspring

Berlin, 9. August 2013 [zuletzt geändert 15.08.13, 13:53 Uhr]

Jeder konnte es seit Ende 2012 im Landesnahverkehrsplan lesen: 60 Brandenburger Bahnhöfe sind bedroht, zwölf von ihnen stehen unmittelbar vor der Schließung. Doch wer liest schon Verwaltungspapiere? Und ist es wirklich so wie es scheint: Warum werden diese Bahnhöfe kaum genutzt? Benno Koch hat sich die todgeweihten Bahnhöfe angesehen und verrät am Samstag, 17. August 2013 die unglaublichsten Abenteuer auf einer Sommerradtour.

Vor genau zehn Jahren hat die Stadt Joachimsthal den Kaiserbahnhof gekauft. Für eine Dreiviertelmillion Euro wurde das Gebäude im Landhausstil vorbildlich restauriert und zu Deutschlands erstem Hörspielbahnhof gemacht. Doch bereits im vergangenen Jahr gab es einen Betreiberwechsel, das Café schloss, ein neuer Pächter ist nicht in Sicht. Und auch die Anbindung des Kaiserbahnhofs an die Stadt Joachimsthal funktioniert nicht. Der holprige "Paradiesweg" ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was er vorgibt zu sein. Ein Ausbau als Radweg sei geplant, heißt es auf Nachfrage. So scheint die gesamte Region rund um den Werbellinsee bis heute ein Problemfall in Sachen Bahn - und leider auch für den Fahrradtourismus zu sein.

Als vor fünf Jahren der Radweg Berlin-Usedom etwas abseits des Werbellinseeufers auf der Nordwestseite als straßenbegleitender Radweg gebaut wurde, gab es bereits Widerspruch. Der damalige Bürgermeister von Eichhorst, Jens Jahnke, hatte sich für einen Radweg am Südostufer eingesetzt. Steigungsfrei und abseits des Autoverkehrs. Und um die dortigen "Geldabwurfstellen" in Altenhof einzubinden. Vergeblich. Einen Werbellinsee-Radweg gibt es bis heute nicht. Dabei ist der Weg zumindest theoretisch direkt am Ufer fast schon durchgängig vorhanden. Vor allem der fehlende Radweg macht es einer echten Fahrradkultur am vielleicht schönsten See Brandenburgs schwer.

Auch für ganz einfache, praktisch kostenneutrale Dinge wie die Erwähnung des nächsten Bahnhofs in der StVO-Wegweisung scheint die Vorstellungskraft zu fehlen. Keine einzige der großen gelben StVO-Wegweisertafeln an den umgebenden Bundes- und Landesstraßen erwähnt das Wort "Bahnhof" - auch nicht direkt am Abzweig zum Kaiserbahnhof. Stattdessen wird hier groß für eine "Anlegestelle" geworben, von der es gelegentliche Dampferfahrten gibt. Am Joachimsthaler Kaiserbahnhof halten dagegen pro Tag immerhin 30 Triebwagen - noch.

Diese Radtour zeigt wie es gehen könnte und führt rund 50 Kilometer durch tiefe Wälder und vorbei an vielen großen und kleinen See des Barnims und der Uckermark. Anfangs auf Abschnitten des Radweges Berlin-Usedom, biegt dann der Uckermärkische Radrundweg nach Friedrichswalde, Gollin und Templin ab. Unterwegs sollen am Tag dieser Radtour ganz zufällig das eine oder andere Dorffest und am Ende der Holzkohlegrill im El Dorado warten.

Während tagsüber Cowboys und Indianer das Publikum in der Westernstadt unterhalten, zieht abends die Beschaulichkeit einer kleinen Oase zwischen den hölzernen Kulissen ein. Natürlich ist der Grill abends am Silbersee ein Geheimtipp, der nicht weiterverraten werden darf.

Und dann ist es auch nicht mehr weit: Nach gut drei Kilometern ist der Bahnhof Hammelspring erreicht. Einen Wegweiser gibt es nicht. Der Hauptzugang ist ein Trampelpfad, das alte Bahnhofsgebäude eine Ruine. Dass Hammelspring auf der Liste der todgeweihten Bahnhöfe steht, muss nicht erwähnt werden. Noch halten hier 34 Triebwagen pro Tag.

Unterwegs wartet ein nettes Eiscafé und am Ende Barbecue - auf einer entspannten Radtour für Genießer.

 

Einfach anmelden -  die Spur der todgeweihten Bahnhöfe erleben!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Samstag, 17. August 2013

  • Strecke: Die rund 50 Kilometer kurze Tour vom Kaiserbahnhof in die Westernstadt ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Treffpunkt: 12:15 Uhr, Berlin Hauptbahnhof

  • Ende: gegen 22:30 Uhr in Berlin-Mitte

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (5,80 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (15. August 2013, 13:53 Uhr): noch 11 von 20 Plätzen frei

  • Badepausen: in vielen Seen entlang der Radtour möglich, Badesachen bitte nicht vergessen!

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit der Bahn entspannt wird, bitte im RegionalExpress immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf die eigentlich generell verzichtet sollte) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

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