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Fläming Skate
kurz vor Wiepersdorf:
Meist bestens ausgebaute
Fahrradstraßen, aber
in Kürze womöglich
keine Stopps mehr an
vier Bahnhöfen
entlang der Strecke

Spur der todgeweihten Bahnhöfe (Teil 4): Oehna-Drahnsdorf

Berlin, 20. August 2013 [zuletzt geändert 21.08.13, 21:32 Uhr]

Jeder konnte es seit Ende 2012 im Landesnahverkehrsplan lesen: 60 Brandenburger Bahnhöfe sind bedroht, zwölf von ihnen stehen unmittelbar vor der Schließung. Doch wer liest schon Verwaltungspapiere? Und ist es wirklich so wie es scheint: Warum werden diese Bahnhöfe kaum genutzt? Benno Koch hat sich die todgeweihten Bahnhöfe angesehen und verrät am Sonntag, 25. August 2013 die unglaublichsten Abenteuer auf einer Sommerradtour.

Die Fahrradstraßen des Fläming Skates sind zumindest marketingmäßig die erfolgreichsten des Landes Brandenburg. Und natürlich sind auch hier Fahrradtouristen in der Mehrzahl. Nicht nur auf den großen Rundkursen. Seit der Eröffnung des Fläming Skates vor zwölf Jahren hat sich die Streckenlänge auf inzwischen 230 Kilometer mehr als verdoppelt. Der Bahnhof Drahnsdorf liegt theoretisch im direkten Einzugsbereich - und ist jetzt einer der zwölf akut von der Schließung bedrohten Bahnhöfe Brandenburgs.

Diese Radtour führt rund 50 Kilometer über die Fahrradstraßen des Fläming Skates. Los geht's am Bahnhof Oehna. Der kleine Haltepunkt ist der einzige, an dem die Fahrradstraßen praktisch direkt am Bahnsteig beginnen. Gemerkt haben dies bisher offenbar zu wenige Nutzer, aber vor allem die Planer nicht. Insgesamt ist die direkte Anbindung des Fläming Skates an Bahnhöfe, aber auch an die Altstädte Jüterbog und Luckenwalde stark mangelhaft. Und so steht auch der kleine Bahnhof Oehna auf der Liste der bedrohten Bahnhöfe.

Auf den Fahrradstraßen des Fläming-Skates rollt es nun ein paar Kilometer pro Stunde schneller als gewöhnlich - die Oberflächen sind noch immer besser als der Durchschnitt.

Nach knapp 20 Kilometern versteckt sich etwas abseits der Strecke das Schloss Wiepersdorf aus dem Jahre 1736. Nach ihrer Heirat zog das Dichter-Ehepaar Bettina und Ludwig Achim von Arnim 1814 auf das Gut Wiepersdorf - und soll hier auch die Gebrüder Grimm zu Gast gehabt haben. Ob das Märchen Rotkäppchen und der böse Wolf in der Grimmschen Fassung wirklich hier entstanden ist?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss und Rittergut Wiepersdorf der Familie von Arnim enteignet und seit 1946 als volkseigenes Künstlerschloss genutzt. Anna Seghers, Eva-Maria Hagen und Rolf Hoppe sollen hier einige Arbeitswochen verbracht haben. Heute steht der ruhige Park allen Besuchern offen und in der Orangerie gibt es am Wochenende Kaffee und Kuchen - ganz unspektakulär und fast so wie in einer ganz privaten Sommerfrische.

Nach weiteren 15 Kilometern ist das Ackerbürgerstädtchen Dahme erreicht. Alles überragt wird noch heute vom Neorenaissance-Rathaus aus dem Jahre 1893-94, märchenhaft von unten und mit einem schönen Ausblick von oben über die sanierten Dächer der Stadt. Dahme gehört zur Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen Brandenburg.

Der einstige Bahnhof Dahme (Mark) ist längst stillgelegt, bereits am 3. Januar 1968 fuhr hier der letzten Personenzug. Heute wäre der Bahnhof Drahnsdorf, gut elf Kilometer Luftlinie entfernt, zumindest theoretisch der sinnvollste Einstieg für Fahrradtouristen zurück nach Berlin. Der Fläming Skate liegt hier bereits bis Wildau-Wentdorf bestens ausgebaut am dichtesten dran. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, ist der 1875 eröffnete Bahnhof Drahnsdorf jedoch bereits in Kürze Vergangenheit.

Unterwegs warten wie immer ein schönes Café und am Ende vielleicht ein geöffneter Gasthof - auf einer entspannten Radtour für Genießer.

 

Einfach anmelden -  die Spur der todgeweihten Bahnhöfe erleben!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Sonntag, 25. August 2013

  • Strecke: Die rund 50 Kilometer kurze Tour auf den Fahrradstraßen des Fläming Skates ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Rückenwind: Natürlich wurde diese Tour korrekt in den Wind gedreht und führt nun mit 30 km/h Rückenwind von Drahnsdorf nach Oehna.

  • Treffpunkt: 9:15 Uhr, Berlin Hauptbahnhof

  • Ende: kurz nach 19:30 Uhr in Berlin-Mitte

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (5,80 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (21. August 2013, 11:46 Uhr): noch 15 von 20 Plätzen frei

  • Badepausen: eventuell möglich, Badesachen bitte nicht vergessen!

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit der Bahn entspannt wird, bitte im RegionalExpress immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf die eigentlich generell verzichtet sollte) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

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