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Fahrradstra├če Kummerow:
2,5 Kilometer Fahrradtraum
in der Uckermark -
ein 150 Kilometer langes
deutsch-polnisches
Radwegenetz
ist jedoch nicht erkennbar

Neue Wege durch die Uckermark nach Stettin

Berlin, 30. Oktober 2013 [zuletzt geändert 31.10.13, 10:16 Uhr]

Selbst überregionale Radfernwege sind in der Regel Flickenteppiche. Fast unbemerkt sind in der Uckermark einige Feldwege mit Radwegemitteln ausgebaut worden. Wer es nicht weiß, wird sie nicht finden. Genau deshalb lohnt es sich jetzt genauer hinzuschauen. Benno Koch verrät am Samstag, 2. November 2013 die schönsten Entdeckungen im Fahrradherbst.

Vor einem Jahr wurde ein Feldweg im Amt Oder-Welse neu ausgebaut und "technisch abgenommen". Der rund fünf Kilometer lange Abschnitt beginnt grob gesagt irgendwo nördlich von Pinnow, führt über Hohenlandin und endet an einem bereits ausgebauten Wegeabschnitt südlich von Herrenhof. Das Ganze wurde früher mal als Oder-Welse-Radweg oder auch -Rundweg bezeichnet. Gefördert wurde das Projekt schließlich als Teil eines "150 Kilometer langen deutsch-polnischen Radwegenetzes" mit einem Gesamtvolumen von 5,3 Millionen Euro. Rund 4,5 Millionen Euro davon kamen aus dem "Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)" Interreg IV A. Benno Koch hat sich diesen und andere Abschnitte mal genauer angesehen.

Der kleine Haltepunkt an der Bahnlinie von Berlin nach Schwedt (Oder) bezeichnet sich stolz als "Nationalparkbahnhof Pinnow". Los ist hier praktisch nichts. Es gibt keinen Fahrradverleih, kein Café, kein Restaurant. Auch im Dorf nicht. Grob gesagt gibt es hier nichts, was Touristen interessieren könnte. Auch keinen Fahrradwegweiser.

Letzterer wäre durchaus interessant, da nur gut einen Kilometer nördlich von Pinnow einer der teuersten Radwege überhaupt entstanden ist. In einer Kurve kurz hinter der Umgehungsstraße der B2 zweigt ein alter Feldweg ab. Einen Fahrradwegweiser findet man auch hier nicht. Auch kein Fahrradstraßenschild, keine Geschwindigkeitsbegrenzung oder gar Sperrung für den Kfz-Verkehr.

Genau dieser Feldweg wurde bis November 2012 als Radweg ausgebaut. Das Amt Oder-Welse hat dafür als "Lead-Partner" des Interreg-IV-A-Projektes stolze 1.357.313,11 Euro Fördergelder erhalten. Pro Kilometer neu gebauter Radweg im Amt wären dies erstaunliche 270.000 Euro - aber es ging ja um mehr. Auch um eine offenbar aufwändige Verwaltung.

Und vor allem am "Radweg" gab es natürlich komplexe Aufgaben zu lösen. In Handarbeit verlegte Feldsteine sind zwar nicht fahrradfreundlich, aber eben etwas teurer als Asphalt in Straßenqualität. Doch keine Angst: Wer nicht gerade einem Auto ausweichen muss oder einen Fahrradanhänger dabei hat, der darf natürlich auf den weniger holprigen Betonsteinspuren links und rechts davon radeln.

Zum Projekt im Amt Oder-Welse gehören zwar auch ein Jahr nach Abschluss keine Fahrradwegweiser, dafür aber alle paar Kilometer riesige Stahltafeln. Irgendwie als Werbung für das Ganze. Wohl für die Ewigkeit. Brauchbare Informationen, zum Beispiel über die tatsächlich ausgebauten Wegeabschnitte, findet man darauf leider nicht. Wurde hier nun wirklich ein "150 Kilometer langes deutsch-polnisches Radwegenetz" gefördert?

Ein paar Kilometer weiter ließ die Stadt Schwedt (Oder) zwischen ihrem Ortsteil Kummerow und der Landesstraße 272 einen Feldweg mit Mitteln aus dem gleichen Projekt ausbauen. Hier reichten für eine 2,5 Kilometer lange, drei Meter breite und als Fahrradstraße ausgeschilderte Asphaltpiste rund 180.000 Euro pro Kilometer. Gut gemacht!

In der nordöstlichsten Ecke der Uckermark war das Amt Gartz (Oder) mit einem ebenfalls 2,5 Kilometer langen Asphaltband in Straßenqualität dabei: Von Rosow nach Neu Rosow ist nun die Verlängerung des Oder-Neiße-Radweges bis zur polnischen Grenze geschafft - für ebenfalls 180.000 Euro pro Kilometer.

Jetzt fehlt auf polnischer Seite nur noch ein richtiger Radweg bis in die Stettiner Altstadt. Dann könnte man die Strecke zwischen Pinnow und Stettin vielleicht sogar als Variante eines Radweges Berlin-Stettin vermarkten.

Bereits jetzt geht es meist schön und beschaulich über die sanften Hügel der Uckermark. Ohne nachvollziehbare Fahrradwegweisung oder auch Widmung der als "Radweg" ausgebauten Feldwege wird der Erfolg jedoch bescheiden bleiben.

Wäre die Ostseeautobahn A20 in einem ähnlichen Flickenteppich wie die vermeintlichen "150 Kilometer Radwege" aus lokalen Eitelkeiten und wohl auch aus fehlender Vorstellungskraft für die anvisierte Zielgruppe geplant und gebaut worden, wären die Entscheidungsträger dafür längst ausgetauscht worden. Beim Radwegebau hingegen darf scheinbar noch immer jeder mal probieren. Nachfragen sind nicht erwünscht.

Mit einer rund 60 Kilometer kurzen Radtour können Fahrradtouristen an diesem Samstag nun die drei genannten Abschnitte und mehr selbst unter die Räder nehmen. Die Tour wurde natürlich wie immer korrekt in den Wind gedreht, so dass dieser von hinten ordentlich schiebt.

Natürlich wartet unterwegs auch ein einzigartiger Dorfgasthof und zum Abschluss ein gutes Restaurant in der Odermetropole Stettin - auf einer entspannten Herbstradtour für Genießer.

 

Einfach anmelden - Uckermark und Stettin erleben!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Samstag, 2. November 2013

  • Strecke: Die rund 60 Kilometer kurze Tour durch die Uckermark nach Stettin ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Treffpunkt: 9:15 Uhr, Berlin Hauptbahnhof

  • Ende: kurz vor 21:30 Uhr in Berlin-Mitte

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (5,80 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (31. Oktober 2013, 10:16 Uhr): noch 16 von 20 Plätzen frei

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit dem RegionalExpress entspannt wird, bitte immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf letztere sollte eigentlich generell verzichtet werden da sie viel Platz wegnehmen) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

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