Login  
/uploads/ex/FO/exFOcC38zMqV7qr5HpzAlw/P1490183-neuer-Hofjagdweg-Koenigs-Wusterhausen-Gross-Koeris.jpg
Neuer Hofjagdweg:
Die Fahrradstraßen zwischen
Königs Wusterhausen und
Groß Köris sind im Juli 2014
fertig - jetzt fehlen nur noch
die Fahrradstraßenschilder

Neuer Hofjagdweg: Der Soldatenkönig wäre neidisch und würde auf's Rad umsatteln

Berlin, 3. Juli 2014 [zuletzt geändert 3.07.14 um 23:05 Uhr]

Er war jahrelang der schlechteste Radweg Brandenburgs. Im Juli 2014 ist es endlich geschafft. Der neue Asphaltstreifen von Königs Wusterhausen bis Groß Köris ist fertig. Jetzt fehlt nur noch die Ortsdurchfahrt Krummensee. Und ein paar Fahrradstraßenschilder. Am Sonntag, 6. Juli 2014 verrät Benno Koch die schönsten Entdeckungen im Fahrradsommer.

Lautlos gleitet der Solar-Katamaran über die Dahme. Der Platz für Fahrräder an Deck hat sich vervielfacht. Der alte Berliner Ausflugsbezirk Köpenick könnte jetzt ganz vorsichtig aus dem Tiefschlaf erwachen. Die Sanierung der Müggelturm-Ruinen als einst wichtigstem Ausflugsziel hat begonnen. Von hier oben hat man einen unfassbar schönen Ausblick über den Amazonas Ostberlins - bis weit nach Brandenburg. Und mit der Anbindung an den neuen Hofjagdweg, etwas weiter südlich in Königs Wusterhausen, könnte sogar der erste Lückenschluss für Fahrradtouristen nach Brandenburg gelingen. Ein wichtiges Zwischenziel ist jetzt erreicht.

Diese rund 45 Kilometer kurze Radtour verbindet Berlins schönste Sommerfrische mit dem neuen Hofjagdweg. Friedrichshagen war schon immer etwas Besonderes. Auch wenn einige der schönsten Gründerzeithäuser in der Bölschestraße kurz vor dem Ende der DDR einer Kaufhalle zum Opfer fielen. Und der Kirchturm nach einem Orkan für baufällig erklärt und durch eine bessere Feuerwehrturmhaube ersetzt wurde. Beim Teilabriss des Gefängnisses zum Preußischen Adler ein paar Meter weiter, hat vermutlich schon niemand mehr etwas gemerkt. Wer hat schon Bruno Wille gelesen? In die Reihe der eBook Klassiker von Amazon Kindle hat es Wille jedenfalls noch nicht geschafft. Der Schriftsteller lebte 27 Jahre in Friedrichshagen, gründete hier den Dichterkreis und verbrachte einige Tage in jenem Vorortgefängnis.

Aber noch heute ist die Luft hier anders. Das liegt an den vielen kleinen Geschäften in der Bölschestraße, den mehr oder minder beeindruckenden Villen und natürlich dem Müggelsee. Vorbei an den Baustellen rund um den Müggelpark geht es durch den Spreetunnel dann auch schnell in die schattigen Wälder Richtung Müggelturm. Unten locken die ersten Badestellen, oben der schönste Ausblick über die unendlichen Wald- und Wasserflächen Berlins.

In Krampenburg ist dann auch die Kuhle Wampe erreicht. Die kühle Bucht ist der Inbegriff der filmischen Auseinandersetzung mit der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre in Berlin. Der einst am Müggelsee gelegene Zeltplatz ist heute Namensgeber für einen Campingplatz an der Großen Krampe - einer Bucht am Fluss Dahme. Über diesen geht es dann auch spektakulär mit der neuen BVG-Solarfähre hinüber nach Alt-Schmöckwitz.

Während die Strecke bis hierher meist bestens asphaltiert und autofrei war, ist der Abschnitt von Schmöckwitz bis Königs Wusterhausen durchwachsen. So wie auch der Rest des offiziellen Dahme-Radweges in Berlin. Doch einige Villen in den Nebenstraßen beeindrucken, bevor in Wildau eine Arbeitersiedlung aus der Gründerzeit in ungeahnter sanierter Pracht erreicht ist. Die ab 1899 errichtete Schwartzkopff-Siedlung war die Werkssiedlung für die benachbarte Lokomotivenfabrik und steht heute unter Denkmalschutz.

In Königs Wusterhausen führt die neue Fuß- und Fahrradbrücke hinüber zur Mühleninsel und zum Jagdschloss. Eben jener Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. nutzte hier nach 1713 das bescheidene Anwesen als Sommerresidenz und bescherte dem Ort so den König vor dem Wusterhausen. Heute warten am Schloss ein nettes, manchmal etwas schwerfälliges Café und ein paar Meter weiter der Funkerberg mit dem spektakulärsten Ausblick auf das Nottetal.

Der folgende Treidelweg am Nottekanal ist dann so etwas wie der Klassiker für Fahrradtouristen im Süden Berlins. Parallel zur neuen Ortsumgehung wurde in diesem Frühjahr auch der Radweg in Richtung Krummensee neu gebaut.

Nun ist der Höhepunkt erreicht: Der neue Hofjagdweg zwischen Krummensee über Bestensee nach Groß Köris ist bis zum Sommer 2014 auf insgesamt elf Kilometern durchgängig neu asphaltiert worden. Nur in der Ortsdurchfahrt Krummensee holpert es noch. Die Qualen und das Grauen der Vergangenheit auf groben Schotter, Schlaglöchern und querliegenden Betonplatten gehören aber der Vergangenheit an. Aber hat eigentlich jemand an die Widmung als Fahrradstraße gedacht? Noch fehlen die Schilder. Oder sollte hier ein schöner Schleichweg für Autofahrer parallel zur Autobahn gefördert werden? Dann wäre der Soldatenkönig sicherlich not amused.

Und am Ende wartet die vielleicht schönste Lodge Brandenburgs mit frischer Küche und selbstgemachtem Eis - auf einer entspannten Radtour für Genießer.

 

Einfach anmelden - Solarfähre, Hofjagdweg und Landhausküche erleben!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Sonntag, 6. Juli 2014

  • Strecke: Die rund 45 Kilometer kurze Radtour von Friedrichshagen zum Hofjagdweg ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Treffpunkte: 12:00 Uhr Berlin Hauptbahnhof und 12:50 Uhr Bhf. Berlin-Friedrichshagen

  • Ende: kurz vor 20:30 Uhr in Berlin-Mitte

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (5,80 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad), der Eintritt Müggelturm (2,00 Euro pro Person) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (3. Juli 2014, 23:05 Uhr): noch 14 von 20 Plätzen frei

  • Baden: an vielen schönen Stränden möglich - Badesachen nicht vergessen!

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit dem RegionalExpress entspannt wird, bitte immer sämtliche Packtaschen und Körbe (auf die eigentlich generell verzichtet sollte) vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

Hintergrund