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St. Marien Chojna:
Die ehemalige Stadt
Königsberg in der
Neumark
wurde im
Zweiten Weltkrieg
zu 80 Prozent
zerstört - die
St. Marien Kirche
ist in neuer Pracht
wiederentstanden

Westpolen: Gefangen im Königsberg-Dreieck

Berlin, 28. August 2014 [zuletzt geändert 29.08.14 um 19:30 Uhr]

Vor drei Jahren geisterten Meldungen vom Ausbau eines "150 Kilometer langen deutsch-polnischen Radwegenetzes" durch die Medien. Knapp fünf Millionen Euro standen dafür zur Verfügung. Es wäre eine Sensation gewesen. Dann wurde es ruhig. Sehr ruhig. Ein Ergebnis ist für Nichteingeweihte nicht erkennbar. Auf einer Radtour für Genießer verrät Benno Koch am Sonntag, 31. August 2014 was in Westpolen wirklich geht.

Als ich das erste Mal das Wort Königsberg auf einem Wegweiser kurz vor der deutsch-polnischen Grenze gelesen hatte, traute ich meinen Augen kaum. Der Name suggeriert nicht nur eine unerreichbare Größe. Die Stadt mit diesem Namen liegt doch hunderte Kilometer weiter östlich? Königsberg in Neumark heißt heute Chojna und liegt in Westpolen. Wenn man will, dann bilden Bad Freienwalde, Schwedt (Oder) und Chojna ein Dreieck. Das Königsberg-Dreieck.

Zugegeben, Chojna war nur ein kleiner Partner des Interreg IV A Projektes und der Behauptung, ein 150 Kilometer langes deutsch-polnisches Radwegenetz zu schaffen. Die Stadt hat genau 240.802,00 Euro für einen 1.300 Meter kurzen Weg entlang der Stadtmauer erhalten, der im Oktober 2012 als "Radweg" eröffnet wurde. Das neue Pflaster soll "historisch" anmuten. Natürlich kann man hier langholpern. Ein Grund auf's Rad zu steigen, ist es allerdings nicht.

Doch wo ist nun das Radwege-"Netz"? Eine riesige Übersichtstafel an der Stadtmauer zeigt tatsächlich ein halbes Dutzend grüner Routen in der Umgebung von Chojna. Wer genauer hinschaut und sich auskennt, ist dann schnell ernüchtert: Praktisch jede Hauptstraße wurde hier zum Radweg erklärt. Natürlich kann man hier fahren. Aber haben die direkten Landesstraßen nach Schwedt (Oder) und Hohenwutzen wirklich etwas mit Fahrradtourismus zu tun?

Diese 65 Kilometer kurze Radtour für Genießer zeigt, wie es gehen könnte. Die Landschaft am Ostufer der Oder ist atemberaubend. Die Hügelketten von Alt-Küstrinchen (Stary Kostrzynek) und Alt Rüdnitz (Stara Rudnica) erinnern mit ihren kleinen Kapellen an sanfte, stille Bergdörfer. In Zäckerick (Siekierki) ist die alte Bahnlinie nach Mohrin (Moryń) erreicht. Züge fahren hier schon lange nicht mehr. Eine Draisine über die Oderbrücke darf nur bis zur Flussmitte fahren. Etwas weiter zweigt dann eine einsame Waldstraße nach Mohrin ab.

Mohrin entwickelt sich wieder zu einer echten touristischen Perle. Das Strandbad ist traumhaft schön neu gebaut. Der Mohriner See ist mit fast 60 Meter der tiefste der Pommerschen Seenplatte und einer der saubersten. Natürlich gibt es mit dem auf seinem Grund angeketteten Großen Krebs auch ein passendes Seeungeheuer. Unweit des Sees hat im Juli mit dem Złota Rybka Moryń (Goldfisch) ein neues Fischrestaurant eröffnet, in dem es auch Maränen aus dem See gibt - ein Zeichen für die außerordentliche Wasserqualität.

Jetzt wird die Landschaft immer offener, mit weiten Blicken über die sanften Hügelketten. In diesen Tagen mit kurzen Schauern gibt es den einen oder anderen Regenbogen zu entdecken. Die schmalen asphaltierten Straßen sind bis kurz vor Chojna menschenleer. Die kleinen Dörfer erwachen langsam zu neuem Leben. In Mirowo (Woltersdorf Neumark) wird gerade das Herrenhaus von 1893 saniert.

Natürlich darf in Königsberg die Stadtrundfahrt an der Stadtmauer nicht fehlen. Auch wenn es holpert. Mit dem Schwedter und dem Bernikower Tortürmen sind noch zwei der einst drei Stadttore aus dem 13. und 14. Jahrhundert erhalten. Die 50 Meter hohe Aussichtsplattform der St. Marien ist noch beeindruckender. Der Wiederaufbau der mittelalterlichen Backsteinkirche aus dem Jahre 1389 ist ein Musterbeispiel für deutsch-polnische Gemeinschaftsprojekte.

Noch 1991 standen hier nur noch die Außenmauern ohne Dach und mit einsturzgefährdetem Turm. Im Kirchenschiff wuchsen Bäume. Doch die äußerlich scheinbar abgeschlossene Sanierung der mit 57 Metern Länge und 40 Meter Höhe riesigen Hallenkirche bleibt weiter eine Lebensaufgabe: Das vor knapp 20 Jahren neu gedeckte Dach weist Bauschäden auf und muss neu eingedeckt werden.

Vorbei an einem der besten Eiscafés Westpolens geht es schnell wieder hinaus auf die ruhigen, asphaltierten Nebenstraßen durch sanft hüglige Wälder. Am östlichen Oderufer ist dann das Tal der Liebe erreicht, bevor es im Sonnenuntergang vom Bahnhof Schwedt zurück nach Berlin geht.

 

Einfach anmelden - Westpolen und das Königsberg-Dreieck erleben!

  • Sonnenuntergangstour: geführte Radtour mit Benno Koch am Sonntag, 31. August 2014

  • Strecke: Die rund 75 Kilometer kurze Tour von Bad Freienwalde über Königsberg nach Schwedt ist kein Radrennen, sondern ein Angebot für Rad fahrende Genießer.

  • Treffpunkt: 8:25 Uhr, Bahnhof Berlin-Lichtenberg

  • Ende: kurz vor 20:30 Uhr in Berlin

  • Teilnahmegebühr für die Radtour: 12 Euro ermäßigt 8 Euro pro Person

  • externe Kosten: die Bahnfahrt (5,80 Euro bei einer durch fünf teilbaren Teilnehmerzahl plus 5,00 Euro fürs Fahrrad - die 5-Euro-DB-Nahverkehrs-Fahrradtageskarte kannst Du Dir bereits vorab kaufen, wenn Du mit der S- oder Regionalbahn zum Treffpunkt fährst) sowie der Café- und Restaurantbesuch kommen hinzu

  • Anmeldung: schickt mir bitte einfach eine SMS an Mobil 0157/73746049 oder eine E-Mail an kontakt@benno-koch.de

  • Anmeldestand (29. August 2014, 19:30 Uhr): noch 14 von 20 Plätzen frei

  • Essen und Trinken: diese Radtour führt nicht nur durch die Region hindurch, sondern auch in das eine Café und das andere Restaurant hinein; zusätzlich solltest Du Dir eine Wasserflasche mitnehmen, zum Beispiel mindestens ein, besser zwei Liter (stilles Leitungs-)Wasser sind nie zu viel

  • Teilnahmebedingungen: es gelten die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die Teilnehmer tragen selbst das allgemeine Risiko, das die Teilnahme am Straßenverkehr mit sich bringt und sind für die Sicherheit ihres Fahrrades selbst verantwortlich, die Rückfahrt erfolgt in der Dunkelheit (Licht)

  • Fahrrad und Bahn: damit auch die Fahrt mit der Bahn entspannt wird, bitte ausschließlich Packtaschen mit Quick Lock (lassen sich mit einem Handgriff vom Rad nehmen) verwenden und auf Fahrradkörbe generell verzichten (diese nehmen in der Bahn den Platz für zwei Fahrräder weg); im Mehrzweckabteil der Regionalzüge immer alle Packtaschen vom Fahrrad nehmen und die Räder mit den Lenkern entgegengesetzt an die Klappsitze lehnen, Fahrgäste auf den Klappsitzen ohne Fahrräder freundlich bitten aufzustehen – und natürlich Rücksicht nehmen!

 

Hintergrund

  • Fotos einer Radtour durch das Königsberg-Dreieck in der Bildergalerie www.benno-koch.de ansehen

  • gpx/gps-Track der Radtour durch das Königsberg-Dreieck als zip-Datei (42 kb) herunterladen