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Radio Eins: Fahrradland Brandenburg - die Basics

Berlin, 29. Oktober 2014

Als vor zehn Jahren die Studie zum Ausflugsverhalten vorgestellt wurde, war dies eine Sensation. Ein Drittel der Berliner hatte mindestens einen Fahrradausflug nach Brandenburg gemacht. Fahrradfahren lag weit vor Wassersport, Baden, Reiten, Golfen oder Wandern. Benno Koch erklärt das Fahrradland Brandenburg für Einsteiger und Fortgeschrittene. Am Mittwoch kurz nach Elf live auf Radio Eins.

Inzwischen ist die Liste der überregionalen Radfernwege im Land Brandenburg lang: Europaradweg R1, Radweg Berlin-Usedom, Radweg Berlin-Kopenhagen, Oder-Neiße-Radweg, Elbe-Radweg, Tour Brandenburg, Spree-Radweg, Havel-Radweg, Havelland-Radweg, Oder-Havel-Radweg, Dahme-Radweg, Oderbruchbahn-Radweg, Oder-Spree-Tour, Uckermärkischer Radrundweg, Seenlandroute, Fürst-Pückler-Weg, Kohle-Wind-Wasser-Tour, Gurken-Radweg, Bischofstour, Radweg Berlin-Leipzig, Fläming Skate, Historische-Stadtkern-Routen - und jede Menge mehr. Was sie vereint, ist ein boomender Fahrradtourismus. Es ist eine Erfolgsgeschichte - mit einigen Schönheitsfehlern.

Vor allem die Fahrradstraßen der Lausitz oder durch die Schorfheide haben das Bild des Fahrradtourismus radikal gewandelt. Natürlich auch die Asphaltstreifen auf den Deichen der Havel und der Oder. Eigenständige schöne und ruhige Wege. Nicht mehr hinter der Leitplanke im Lärm- und Abgaskorridor des Autoverkehrs. So ist von den inzwischen 65 dauerhaften automatischen Radverkehrszählstellen in Brandenburg die am Senftenberger See die Nummer Eins: 184.238 Fahrradfahrer wurden hier 2012 gezählt.

Fahrradverkehr und Fahrradtourismus sind eine Erfolgsgeschichte in Brandenburg. Mit vergleichsweise geringen Investitionen kann ein großer Effekt erzielt werden. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis liegt bei einem Faktor bis zu 11,5 und damit weit über denen vieler neuer Ortsumgehungen. Mit einem Anteil von 13 Prozent an allen Wegen liegt die Fahrradnutzung in Brandenburg 50 Prozent höher als die von Bussen und Bahnen.

Doch irgendwann scheint der Ausbau einer dem Stand der Technik entsprechenden Radverkehrsinfrastruktur einfach fast stehen geblieben zu sein. So wurden im Jahr 2011 für den Bau von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen Brandenburgs noch 15,6 Millionen Euro investiert. Im Jahr 2014 sind es mit 6,1 Millionen nur noch weniger als die Hälfte. Mit der Unterhaltung und Sanierung der bestehenden Radfernwege sind die Kommunen beauftragt. Mindeststandards scheinen zu fehlen. Hunderte Kilometer des offiziell 6.800 Kilometer langen Radroutennetzes sind durch Wurzelaufbrüche schwer in Mitleidenschaft gezogen.

"Das touristische Radfernwegenetz ist weitestgehend fertiggestellt", hieß es zuletzt Ende 2013 in der Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage zur "Straßen- und Radwegeinfrastruktur in Brandenburg".

Doch eine Trennung des Straßen- oder Wegenetzes für den Alltag und für den Tourismus sieht die Straßenverkehrsordnung nicht vor. Natürlich finden die meisten Wege auch mit dem Auto in der Freizeit und im Tourismus statt. Doch anders als beim Ausbau von überregionalen Bundes- oder Landesstraßen für den Kfz-Verkehr sind die Lücken in der Fahrradinfrastruktur allgegenwärtig.

Dabei geht es oft weniger um den Ausbau von straßenbegleitenden Radwegen. In den Brandenburger Städten fehlen Tempo-30-Zonen oft selbst da, wo es genaugenommen nicht schneller geht. Kopfsteinpflaster oder unbefahrbare Randstreifen auch von neu gebauten Straßen machen in vielen kleinen Städten das Rad fahren unattraktiver als das Auto fahren. Und die bereits 1997 geänderte Straßenverkehrsordnung, die so genannte Fahrradnovelle, wird noch immer großflächig ignoriert. Denn gerade innerorts bedeuten schmale Radwege auf Gehwegen eine zusätzliche Gefahr. Nicht nur an jeder Kreuzung und jeder Ein- und Ausfahrt. Und dürfen daher nur noch im Ausnahmefall als benutzungspflichtiger Radweg ausgewiesen werden.

Außerorts gibt es dagegen noch jede Menge alter Bahndämme, Deiche oder Wald- und Feldwege, die nach einem Ausbau die vielen kurze Wege in Brandenburg mit dem Fahrrad leichter machen würden. Und die Netzlücken keiner werden ließen. Nicht nur im Tourismus.

 

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