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Radfernweg Brandenburg
automatische Zählstelle

Brandenburg: 63 automatische Zählstellen an Radfernwegen

Berlin, 30. November 2009

Aufmerksame Radfahrer haben sie längst entdeckt. Seit Mitte November wurden in Brandenburg 60 automatische Zählstellen an wichtigen Radwegen aufgebaut, die letzten folgen in dieser Woche. Mit Hilfe der Daten sollen nun erstmals belastbare Zahlen zum Fahrradverkehr ermittelt werden.

Andrea Tiffe von der Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) hat in diesen Wochen viel zu tun. Gerade ist sie mit ihrem Team zurück in der Uckermark, wo die letzten drei von insgesamt 63 neuen Radverkehrs-Zählstellen im Land Brandenburg ans Netz gehen werden.

Die Standorte der Zählgeräte wurden nach Aussage der TMB danach ausgewählt, wo besonders viele verschieden motivierte Radfahrer unterwegs sind. Also im Alltag auf dem Weg zur Arbeit, in der Freizeit als Tagestourist oder im Urlaub auf einer Radreise. Automatisch erfasst werden Radfahrer dabei mittels Radar anhand der Form, Größe und Geschwindigkeit, um sie zum Beispiel von Fußgängern zu unterscheiden.

Belastbare und systematische Radverkehrszählungen bundesweit Mangelware

Bis heute liegen nur wenige belastbare Zahlen für den Fahrradverkehr vor - nicht nur in Brandenburg. Bisher wurde nur anhand von seltenen Stichproben gezählt. Eine der wenigen automatischen Zählstellen ist seit einigen Jahren am Elberadweg in Dresden zu finden. Als die Zahl von jährlich rund 500.000 Fahrradfahrern erstmals öffentlich wurde, war dies eine kleine Sensation.

Automatische Zählschleife - Vorreiter Elberadweg in Dresden

"Zwischen Mai und Oktober 2009 haben wir genau 360.750 Radfahrer auf dem Elberadweg in Dresden gezählt", sagt Wolfgang Nagel, zuständig für Verkehrszählungen in Dresden. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2000 waren es noch 289.311 Fahrradfahrer - eine Zunahme um ein Viertel.

Hinzu kommen die Monate von November bis April, die - aufgrund der Hochwassergefahr - ohne automatische Zählstelle hochgerechnet werden. Wahrscheinlich sei aufgrund der geringen Breite des Elberadweges von 2,5 Metern - insgesamt für beide Richtungen - damit auch schon die Belastungsgrenze in den Spitzenmonaten erreicht, glaubt Nagel.

Mit zwei neuen Zählstellen für Radfahrer an der St. Petersburger Straße hat sich die Stadt Dresden Anfang November 2009 für ein neues System namens Bike Counter entschieden. "Die Genauigkeit der alten Zählschleife am Elberadweg lag nur bei 80 Prozent, die neuen Messbalken können nun auch im Pulk fahrende Radfahrer einzeln zählen. Im November haben wir so erstmals 24.800 und 31.000 Radfahrer gezählt."

Bisher keine automatischen Fahrradzählungen an Berliner Radwegen

In Berlin gibt es acht Pegelzählstellen, an denen der Straßenverkehr gezählt wird. Diese dienen seit den 1950er Jahren zur Zählung des Kfz-Verkehrs - an wenig fahrradfreundlichen Orten wie am Autobahndreieck Jacob-Kaiser-Platz.

Als in Berlin im Rahmen einer Innenstadtzählung im Jahre 2001 erstmals der Fahrradverkehr an einer Pegelzählstelle mitgezählt wurde, waren auch diese Zahlen überraschend. Täglich waren danach rund 8.700 Radfahrer an der Karl-Liebknecht-Straße im Bezirk Mitte am Rande des Alexanderplatzes unterwegs. Die Zahlen sollten einer Analyse zum damals in der Planung befindlichen fahrradfreundlichen Regierungsviertel dienen.

Jahrelanges Baustellenchaos am Alexanderplatz reduziert Fahrradverkehr

In einer jetzt von der TU Dresden für die Karl-Liebknecht-Straße ermittelten Stichprobe wurden nur noch 7.458 Radfahrer gezählt, die im Mai und Juni 2008 hier täglich unterwegs waren. Die Baustellensituation rund um den Alexanderplatz wird seit Jahren von Radfahrern als wenig fahrradfreundlich kritisiert.

Insgesamt ist der Fahrradverkehr laut Mobilitätssteckbrief der TU jedoch stark gestiegen - auf 13,1 Prozent aller in Berlin zurückgelegten Wege. Anfang der 1990er Jahre waren es nur rund 6 Prozent. Befragt wurden dazu im Jahre 2008 genau 38.965 Berliner - die Berliner Zeitung befand die Entwicklung in ihrer heutigen Ausgabe sogar Fast wie in Holland.

Radverkehrszählungen - Brandenburg auf dem Weg zum bundesweiten Vorreiter

Brandenburg könnte sich nun zu einem bundesweiten Vorreiter entwickeln, wenn es um die gleichberechtigte Zählung des Fahrradverkehrs geht. Das vom Bundesverkehrsministerium unterstützte Modellprojekt mit dem langen Namen "Analyse von Radverkehrsströmen zur nachhaltigen Optimierung von Radverkehrsnetzen unter Einbeziehung von Radverkehrskennzahlen" läuft noch bis 31. Oktober 2010.

Gemessen an den automatischen Zählungen des Kfz-Verkehrs - bundesweit auf jeder Hauptstraße - sind 63 Zählstellen im Flächenland Brandenburg wenig. Zusammen mit einer detaillierten Befragung von mehr als 13.000 Alltagsradfahrern, Tagestouristen und Reiseradlern zwischen Mai und Oktober 2009 an Brandenburger Radfernwegen wird es jedoch erstmals eine belastbare Datengrundlage geben.

Die gesammelten Daten sollen unter anderem Aufschluss darüber geben, wo Investitionen in die Infrastruktur notwendig sind und in welchen Regionen die Vermarktung des Fahrradtourismus verbessert werden sollte.

Mehr Informationen dazu soll es ab März 2010 unter www.radverkehrsanalyse-brandenburg.de geben.