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Szczecin Glowny:
Bahnlinie Berlin-Stettin
Problemfall vor allem
auch auf deutscher Seite

Bahnlinie Berlin-Stettin: Ab 12. Dezember 2010 weniger Züge

Berlin, 2. November 2010 [zuletzt geändert 3.11.10, 16:38]

Seit Monaten wirbt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg für ein preiswertes Bahnticket von Berlin nach Stettin, welches es bis heute an keinem BVG- und keinem S-Bahn-Fahrkartenautomaten gibt. Und jetzt fallen zum Fahrplanwechsel im Dezember am Wochenende auch noch die Früh- und Spätzüge zwischen den Metropolen weg.

Seit heute ist der neue ab 12. Dezember 2010 gültige Fahrplan unter www.bahn.de abrufbar. Wer den Ankündigungen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) und der Deutschen Bahn über eine "zusätzliche Direktverbindung" zwischen der Bundeshauptstadt Berlin und der polnischen Hafenstadt Szczecin bisher Glauben schenkte, reibt sich nun verwundert die Augen. Lediglich ein Regionaltriebwagen ersetzt den bisher verkehrenden Intercity Szczecin-Berlin-Amsterdam-Schiphol - letzterer wird gestrichen.

Neu hinzu kommt ein täglich verkehrender Eurocity Prag-Berlin-Stettin, der mittags von Berlin in die polnische Hafenstadt hin und nach kurzem Aufenthalt dort wieder zurückkehrt. Allerdings verfügt dieser Zug über keine Fahrradmitnahme, hält nicht in Tantow (Oder-Neiße-Radweg), hat trotzdem eine 20 Minuten längere Fahrzeit als die schnellste Regionalverbindung, ist auf der Gesamtstrecke Prag-Stettin 13 Minuten langsamer als die bisherige schnellste Verbindung mit Umsteigen in Berlin und es werden keine VBB-Tickets anerkannt - also offensichtlich auch nicht das 10-Euro-Berlin-Stettin-Ticket.

Doch es kommt noch schlimmer: Die freitags, samstags und sonntags bisher um 21.32 Uhr ab Stettin und um 22.34 Uhr ab Angermünde (mit Anschluss der Regionalexpresslinie RE3 aus Berlin) verkehrenden Regionalbahnen der Linie RB66 fallen ebenfalls weg. Vor allem Stettiner nutzen augenscheinlich den um 23.28 Uhr in der polnischen Hafenstadt ankommenden Zug ungewöhnlich stark.

Auch die sonntags verkehrende Frühverbindung des RB66 mit Anschluss aus Berlin und mit Ankunft um 8.31 Uhr in Szczecin Glowny ist ebenso wie der erste Zug aus Stettin Richtung Berlin ersatzlos aus dem Fahrplan verschwunden.

Fahrplan 2011 Berlin-Stettin: Pro Woche fünf Verbindungen weniger zwischen den Metropolen

So reduziert sich die Anzahl der Verbindungen ab Stettin (mit Anschluss in Angermünde nach Berlin) freitags und samstags von neun auf acht und sonntags von acht auf sieben. In der Gegenrichtung ab Angermünde (mit Anschluss aus Berlin) geht's sonntags statt neun nur noch sieben Mal nach Stettin. Insgesamt werden pro Woche also fünf Verbindungen gestrichen. Zum Vergleich: Selbst aus Pasewalk verkehren sonntags acht Regionalzüge je Richtung von und nach Stettin.

Tatsächlich wird die wichtige Bahnlinie Berlin-Stettin seit Jahren schlechter behandelt als jede drittklassige Bundesstraße in Brandenburg - so beim Neubau überdimensionierter Ortsumgehungen im Oderbruch und anderen dünn besiedelten Landstrichen.

Doch jetzt wird es für Bahnfahrer sonntags unmöglich, Tagesausflüge in die Pommersche Seenplatte rund um Stettin zum Beispiel nach Złocieniec (wo Polens schönster Radweg beginnt) zu machen - der Anschlusszug ist längst weg, wenn der erste Zug aus Berlin um 10.00 Uhr (!) Szczecin Glowny erreicht.

Auch bisher mögliche Verbindungen am Sonntag Nachmittag bzw. Abend aus Gdansk, Kolobrzeg oder Swidwin nach Berlin sind zumindest mit Zügen der Regionalbahn (PR Przewozy Regionalne) nicht mehr möglich.

Kaum eine Bahnlinie in der Hauptstadtregion wird seit Jahren lautstärker diskutiert als die nach Stettin. Tatsächlich zuckeln die Züge zwischen Angermünde und der polnischen Grenze im Durchschnitt mit weniger als 70 km/h durch die Uckermark. Und es gibt nicht einmal einen durchgängigen Taktfahrplan.

Auch der mit großer Öffentlichkeitsarbeit begleitete Versuch ein attraktives Ticket zwischen Berlin und Stettin für nur zehn Euro anzubieten, ist vor Ort oft nur schwer oder gar nicht nutzbar: Zwei Monate nach der Einführung des 10-Euro-Tickets sind immer wieder Ticketautomaten in den Triebwagen der RB66 nicht umgestellt und zeigen den alten Preis von 16,70 Euro. Die Deutsche Bahn wirbt noch heute mit Google-Anzeigen "Berlin-Stettin ab 29 Euro. Mit dem Europa-Spezial der Bahn. Nur so lange der Vorrat reicht!" - in der DB-Reiseauskunft für die Verbindung wird mindestens 26,90 Euro als Fahrpreis angezeigt.

Wer in Berlin nicht direkt an einem Regional- oder Fernbahnhof wohnt und ein paar Stationen mit der U- oder S-Bahn fahren muss, darf zudem draufzahlen: "Fahrausweise von/nach Stettin sind nicht bei der S-Bahn Berlin GmbH, bei den Berliner Verkehrsbetrieben oder den 38 anderen im VBB zusammenwirkenden Verkehrsunternehmen erhältlich", heißt es auf Nachfrage beim VBB. Übersetzt bedeutet dies: Die Fahrt zum 10-Euro-Berlin-Stettin-Ticket kostet noch mal mindestens 2,10 Euro mehr.