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Sky Sports
London Freewheel

Sky Sports London Freewheel - What a wonderful day!

Berlin, 25. September 2008 [aktualisiert 26.09.08, 12:04 Uhr]

Wie 50.000 Fahrradfahrer am Sonntag die coolste Fahrrad-Party Londons feierten

"Los, eine Runde geht noch!" Es ist vier Uhr nachmittags. Wir stehen am Tower of London und wollen uns gerade verabschieden, als das Bassfreight mit seinen fünf Satelliten an uns vorbeizieht. Nach Caribbean Steel im St. James's Park und Madonna am Victoria Embankment gibt's nun zum Finale sechs Kilometer Drum 'n' Bass bis zum Buckingham Palace. Es ist dieses entspannte, spaßbetonte und doch sehr professionelle Lebensgefühl der London Freewheel, das begeistert.

300 LCC-Marshals begleiten Fahrradfahrer aus 25 Bezirken zum zentralen Rundkurs an der Themse

Los ging's für uns kurz nach zehn am King William Walk in Greenwich gleich gegenüber der futuristischen Skyline der Docklands. Bei strahlendem Sonnenschein starteten hier wie in den anderen Londoner Bezirken zeitgleich insgesamt 25 Zubringerrouten zum zentralen zwölf Kilometer langen Rundkurs zwischen Tower und Buckingham Palace. Anthony und seine Greenwich Cyclists vom London Cycling Campaign (LCC) begleiten uns und 500 andere Radfahrer mit ihren LCC-Marshals auf einer acht Kilometer langen Route zum Tower.

Friedliche Sky Sports London Freewheel ohne sichtbare Polizei

Hier wie auch entlang der gesamten London Freewheel ist keine Polizei im Einsatz - alleine 300 freiwillige LCC-Marshals (Ordner) regeln und stoppen in ganz London bei Bedarf den Autoverkehr auf den Zubringerrouten. Genau genommen dürfen die Marshals die Autofahrer nur um ihre Mithilfe bitten - und die tun es extrem entspannt. Der anschließende zentrale zwölf Kilometer lange Rundkurs entlang der Themse ist sieben Stunden nur für Fahrradfahrer geöffnet - und für Autos gesperrt. Aber auch hier ist keine Polizei zu sehen.

Vom Tower zum Victoria Embankment immer an der Themse entlang

Begleitet vom Läuten von All Hallows, der ältesten Kirche in der City of London, rollen wir zum Queen Street Place, wo Thames Water mit Leitungswasser gefüllte Fahrradflaschen verschenkt - das Unternehmen ist schließlich der hiesige Wasserversorger. Gleich dahinter beginnt der Blackfriars Underpass. "Ring your bell! Make noise!" steht am Beginn des Tunnels, den wir an diesem Tag noch mehrfach durchfahren werden - natürlich mit ausreichend Lärm aus Radfahrerkehlen, Klingeln und Bassboxen!

Wie Loveparade, nur besser!

Am Victoria Embankment erwartet uns das erste futuristische Musik-Bike von av2hire.com mit Madonna aus einem sechs Meter langen Bassrohr. Nie wurden Musikvideos so lebendig wie hier - ganz automatisch folgt die Trittfrequenz dem Rhythmus der Bässe. Es ist wie Loveparade, nur besser!

Caribbean Steel und Chill out im St. James's Park

Gegenüber vom London Eye, dem höchsten Riesenrad Europas, biegen wir zum Trafalgar Square ab. Hier beginnt The Mall am St. James's Park entlang zum Buckingham Palace und die Central Route. Und hier beginnt das, was die London Freewheel einzigartig macht. Tausende haben sich hier neben ihren Rädern in die Liegestühle und in die Sonne gelegt. Es gibt kostenlose Säfte, Trockenobst aus fairem Handel und natürlich für jeden Teilnehmer eine Freewheel-Warnweste. Vom anderen Ende des Parks wehen die sanften Klänge einer Caribbean Steel Band hinüber - nur zwischen den alten Bäumen hindurch erinnert Westminster und Big Ben daran, dass wir mitten in London, der bevölkerungsreichsten Metropole Europas sind.

Viele sympathische Ideen - zum Beispiel die Fotowand

Und es sind die vielen kleinen Ideen, die die Freewheel so sympathisch machen. Ein paar Meter weiter steht eine Fotowand für ein "Free-Photo" - und die Schlange der gut gelaunten Models mit ihren Rädern scheint endlos. Die Londoner ziehen sich ihre leuchtend gelben Freewheel-Westen an und strahlen in die Kamera - so viele glückliche Menschen wie an diesem Tag haben die Laufstege dieser Welt selten gesehen.

Kostenlose Fahrradstadtpläne am Buckingham Palace

Vor dem Buckingham Palace machen wir den U-Turn für die nächste Runde zurück Richtung Tower. Jetzt geht es vorbei an den Infoständen der Stadtverwaltung Londons, dem London Cycling Campaign oder Sustrans. Die ersten verschenken kostenlose Fahrradstadtpläne - in Millionenauflage gedruckt - der LCC verschenkt T-Shirts an Neumitglieder und Sustrans ist für den Fahrradtourismus zuständig - es wurden und werden Millionen Pfund in den Bau von Radfernwegen zum Beispiel auf alten Bahndämmen investiert. "Sustrans glaubt aber, ihre Art von Wegen sei verkehrstechnisch relevant, das ist Nonsens", werde ich schnell berichtigt. Tatsächlich ist die Qualität selbst für Touristen nicht selten nur mit viel gutem Willen zu ertragen und nicht mit dem Standard der Berlin-Brandenburger Radfernwege vergleichbar.

"Lieber Boris, wir wollen jeden Tag fahrradfreundliche Straßen, liebe Grüße vom LCC"

"Dear Boris, we want cycle friendly streets every day" fordert daher der LCC auch gleich ein paar Meter weiter. Boris ist der neue erst seit Mai im Amt befindliche konservative Bürgermeister Londons und bekannt dafür, seine Termine auch im Alltag mit dem Fahrrad wahrzunehmen. Und so radelt er nicht nur auf der Freewheel mit, sondern kommt gut gelaunt auch zum Catering-Zelt des Hauptsponsors Sky Sports - ohne Bodygards.

LCC meets Mayor

Dort trifft er auch auch LCC Geschäftsführer Koy Thomson und Tom Bogdanowicz, den LCC Campaigns Manager, und es entsteht der Eindruck, London könnte jeden Tag fahrradfreundlich sein. Doch obwohl die britische Hauptstadt sechsmal so viel Geld in den Fahrradverkehr investiert wie Berlin, ist der Alltag für wenig geübte Radfahrer an der Themse nach wie vor hart. "Es gibt in London zum Beispiel kaum Verkehrspolizei", sagt Oliver Schick, der im LCC den Kampagnenausschuss leitet. Und die gefühlte Unsicherheit auf Londons Straßen ist auch auf der Freewheel sichtbar: "Ich habe noch gar keine Mütter mit Kinderanhängern gesehen", sagt meine Mitfahrerin Mechthild. "Bis vor einigen Jahren wurden in London kaum Anhänger verkauft, das hat sich mittlerweile geändert, wenn auch nicht völlig", korrigiert Oliver. "Du solltest mal Hackney erleben - viele Anhänger und alle zwei Sekunden ein Radfahrer."

Berlin Sternfahrt meets London Freewheel

"Erst vor zwei Jahren hat sich die Londoner Stadtverwaltung bei uns in Berlin über die Sternfahrt informiert, um jetzt mit der Freewheel ein eigenes Fahrrad-Event zu schaffen", sagt Berlins Fahrradbeauftragter Benno Koch. "Gemessen daran und auch an der Zahl der Radfahrer Anfang der 1990er Jahre - sie lag nahe null - sind die Fortschritte beachtlich!" Als die Freewheel vor einem Jahr zum ersten Mal startete, kamen 38.000 Teilnehmer, in diesem Jahr waren es bereits 50.000. "Taking it to the masses - die größte und beste Fahrrad-Party die London je gesehen hat", wirbt David Love daher auch für die Freewheel. Als LCC Vorstandsmitglied und Mitarbeiter der Londoner Stadtverwaltung hatte er sich zuvor die Sternfahrt in Berlin angesehen und war begeistert.

Boris Johnson: "Auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen auf das Fahrrad umsteigen"

"What a wonderful day", sagt Londons Bürgermeister Boris Johnson am Tag nach der Freewheel. "Ich hatte am Sonntag eine absolut fantastische Zeit zu sehen wie Tausende in Central London diesen herrlichen Nachmittag auf dem Fahrrad genossen haben. Und ich war überrascht von der Anzahl der glücklich lächelnden Gesichter aller Altersgruppen. Ich hoffe, dass viele diese Erfahrung inspiriert, auch auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder am Wochenende zum Einkaufen vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen."

"Es ist unglaublich, mehr geht nicht!"

"What a wonderful day - es ist unglaublich, mehr geht nicht!" ist die Stimmung, die uns an diesem Tag immer wieder gefangen nimmt. Es ist ein völlig neues Lebensgefühl eine Metropole wie London so intensiv wie nie zuvor erleben zu können. Und natürlich drehen wir an diesem Tag noch eine Runde mit Bassfreight und dem Drum 'n' Bass Sound von London Skate - fast wie Loveparade, nur einfach besser!

 

Fotos und Videos der Sky Sports London Freewheel ansehen

- Fotos in der Bildergalerie www.benno-koch.de

- London Freewheel The Movie bei CapitalBike unter www.youtube.de

London Freewheel 2009 erleben

- als organisierte Wochenendtour Ende September 2009

- Info und Anmeldung unter kontakt@benno-koch.de

Ältere Artikel zur London Freewheel nachlesen

- unter www.benno-koch.de