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Fahrradstraße durch die
Barnimer Feldmark:
Endlich autofrei und
auf Asphalt unterwegs

Neue Fahrradstraße durch die Barnimer Feldmark

Ahrensfelde, 18. August 2010 [zuletzt aktualisiert 26.01.12]

Gut ausgebaute Radfernwege beginnen meist etwas weiter draußen in der Mark Brandenburg. Wer an der Berliner Stadtgrenze einen Fahrradausflug startet, hatte bisher auch im Nordosten wenig zu lachen. Doch eine neue Fahrradstraße durch die Gemeinde Ahrensfelde überrascht - und ist bisher nur ein inoffizieller Geheimtipp.

Es gibt in Brandenburg 14 Landkreise, 13 Reisegebiete, elf Naturparke, drei Biosphärenreservate, einen Nationalpark - und acht Regionalparke. Vielleicht ist es genau dieses Wirrwarr an Zuständigkeiten und Interessen - ergänzt durch mehrere zuständige Landesministerien, hunderte Städte und Gemeinden sowie verschiedene Interessengruppen - welches es dem zarten Pflänzchen Fahrradtourismus in Brandenburg immer wieder schwer macht.

Der Regionalpark Barnimer Feldmark ist ein 1996 ins Leben gerufener Akteur, der eine länderübergreifende Entwicklung zwischen Berlin und Brandenburg im Nordosten der Bundeshauptstadt steuern soll - ein bisschen zumindest. Regionalparks seien kein administratives Planungsinstrument, heißt es, sondern viel mehr ein Angebot der Landesplanung zur Umsetzung regionaler Entwicklungsziele. Aha!

Kurz um: Die Ergebnisse aus Sicht des Fahrradtourismus waren in der Barnimer Feldmark bisher bescheiden. Vermeintliche Fahrradrouten sind noch immer in der Mehrzahl schlimme Ackerfurchen oder einige Kilometer straßenbegleitende Radwege an stark befahrenen Bundesstraßen. Aber wer will schon da Urlaub machen, wo andere nur möglichst schnell weg wollen?

Mit dem Ausbau des Europaradweges ZR1 / R1 von Hönow nach Altlandsberg und weiter nach Strausberg begann vor zwei Jahren auch direkt an der Berliner Stadtgrenze erstmals eine neue Zeitrechnung. Akteur war hier der Landkreis Märkisch-Oderland, der spät, aber dann durchaus bemerkenswert den Fahrradtourismus entdeckt hat. Noch fehlt aber auch hier die zwei Kilometer lange Anbindung vom U-Bahnhof Hönow zum ausgebauten Radweg am Ortsausgang des Dorfes Hönow.

Etwas weiter nördlich ist in den vergangenen Monaten eine rund vier Kilometer lange Fahrradstraße vom Dorf Eiche über Mehrow bis fast nach Blumberg entstanden. Der drei Meter breite Asphaltstreifen führt abseits der Landstraßen beschaulich an alten Feldsteinkirchen vorbei und zwischen sanft hügligen Feldern hindurch in das einst sogar als Bischofsstadt vorgesehene Dorf Blumberg. Eine (Fahrrad-)Wegweisung an den Einfahrten zur Fahrradstraße sucht man bisher jedoch vergeblich.

Zumindest für Insider gibt es vom Kletterfelsen am (meist) gut ausgebauten Wuhleweg (Anschluss zum Beispiel zu den S-Bahnhöfen Ahrensfelde und Wuhletal) einen Trampelpfad hinüber nach Eiche und zur neuen Fahrradstraße. In Blumberg werden die Züge der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) nach Berlin erreicht oder man wählt den straßenbegleitenden Radweg an der stark befahrenen B158 zurück zum Bahnhof Ahrensfelde. Zuvor wartet mit dem Mehrower Hof ein gleich neben der Kirche im gleichnamigen Dorf gelegenes Restaurant und Café, welches eine frische Küche verspricht.

Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin der zuständigen Gemeinde Ahrensfelde zur neuen Fahrradstraße, sie sei Teil des Vier-Wege-Konzeptes des Landkreises Barnim aus dem Jahre 1999. Im kommenden Jahr würde eine Abstimmung mit den umliegenden Gemeinden sowie ein weiterer Ausbau geplant. Einen offiziellen Namen für diese Radroute gebe es noch nicht.

Während der Fahrradtourismus boomt und zur Hauptfreizeitaktivität der Deutschen geworden ist, klingt das Vier-Wege-Konzept des Landkreises schon immer etwas altbacken. Hier sollen "Wander-, Reit-, Wasser- und Radwege" irgendwie in einen Topf geworfen werden, um dann offensichtlich wenig Richtiges entstehen zu lassen.

Zwar sind im Landkreis Barnim die überregionalen Radfernwege vom Radweg Berlin-Usedom über den Oder-Neiße-Radweg und die Tour Brandenburg bis hin zum Oder-Havel-Radweg vor einigen Jahren ausgebaut worden - an der Unterhaltung, der Reinigung und den notwendigen Lückenschlüssen mangelt es jedoch.

So zerfallen einige Abschnitte aufgrund von Planungsfehlern und Baupfusch im Zeitraffer - in Zepernick ist der Radweg Berlin-Usedom und in Finowfurt der Oder-Havel-Radweg von schweren Wurzelaufbrüchen gezeichnet. Anders als bei jeder Kreisstraße hat man hier offensichtlich einen ausreichenden Unterbau sowie Wurzelkappungen oder -tunnel irgendwie vergessen.

Andere "Radwege" auf Gehwegen zwischen der Berliner Landesgrenze und Bernau fallen eher unter Notlösung als unter die Rubrik Radfernwege. Und dann wären da noch die fehlenden Lückenschlüsse und ein fahrradfreundliches Routennetz zwischen den Radfernwegen - so wie es Autofahrer mit dem Ausbau eben jeder Kreisstraße selbstverständlich verlangen.

Während der Fahrradverkehr in Brandenburg einen offiziellen Anteil von 17 Prozent am Gesamtverkehr hat, halten sich die Haushaltsmittel für die Fahrradinfrastruktur mit kaum einem Prozent an allen Verkehrsausgaben in sehr engen Grenzen. Hier liegen Lippenbekenntnisse und Realität sehr weit auseinander.

"Die Brandenburger wollen inzwischen eher neue Radwege als weitere Umgehungsstraßen", sagte der damalige Brandenburger Verkehrsminister Dellmann vor einem Jahr. Die neue Regionalpark Fahrradroute könnte dabei ein wichtiger Baustein sein - nachhaltig, sprich asphaltiert ausgebaut und mit einer eindeutigen Fahrradwegweisung versehen - nicht nur als Radweg rund um Berlin, sondern mit einer wirklich nutzbaren Verknüpfung zwischen Stadt und Land.

 

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